Grasl zu Mediaprint: "Alles Spekulation"

19. Oktober 2016, 10:57
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Verlässt Küniglberg schon mit Ende Oktober, verrät noch nichts über Ziel "in der Privatwirtschaft"

Wien – Finanzdirektor Richard Grasl lässt verlauten, dass er den ORF mit 31. Oktober verlässt (DER STANDARD berichtete über den Plan). Wohin es ihn zieht, verriet er weiterhin nicht. Schon länger wird ihm nachgesagt: Richtung Raiffeisen/Kurier/Mediaprint. Grasl dazu am Mittwoch auf STANDARD-Anfrage: "No Comment. Alles Spekulation."

Bewegtbildberater

Reinhard Göweil, als langjähriger "Kurier"-Wirtschaftsressortleiter mit Raiffeisen bestens vertraut, berichtete über seinen Stand zu Grasls künftigem Betätigungsfeld: Der Niederösterreicher solle nicht etwa Christian Konrad als Geschäftsführer der Raiffeisen-Medienholding Medicur beerben, schreibt Göweil, längst Chefredakteur der "Wiener Zeitung": Den Medicur-Geschäfsführerjob könnte, neben Raiffeisen-NÖ-Chef Erwin Hameseder, Veronika Haslinger aus der Raiffeisen Holding übernehmen.

Grasl solle indes als Berater die Bewegtbildaktivitäten von "Krone" und "Kurier" vorantreiben, schreibt Göweil, und das in der gemeinsamen Verlagstochter Mediaprint. Im Frühsommer winkte Grasl übrigens auf STANDARD-Anfrage noch ab, er könnte zur Mediaprint wechseln – davon wisse er nichts, erklärte er damals, freilich auf einen Managementjob bei dem Zeitungsriesen angesprochen.

Der Bericht sei "Spekulation", ließ Grasl dazu am Mittwoch wissen.

"Krone"-ATV-Spekulation

A propos Bewegtbild und Spekulation: Die "Krone" hat in der Vergangenheit schon mehrfach Gespräche über eine Kooperation oder einen Einstieg bei ATV geführt. Eigentümer Herbert Kloiber hat im Sommer wissen lassen, er suche einen Käufer für den Sender bis Ende 2017.

"Krone"-Streit

Die "Krone" hat freilich mit dem Streit ihrer Eigentümer vor einem Schweizer Schiedsgericht noch gut zu tun, die deutsche Funke-Gruppe will Vorrechte der Familie Dichands in den Gesellschaftsverträgen loswerden – das könnte in einem Verkauf der Anteile münden, womöglich auch in einer Trennung des "Kurier" von der Mediaprint. Aber: Die Gesellschafter der "Krone" streiten schon seit Jahrzehnten, und ebenso die Dichands mit dem "Kurier". Das kann angesichts der komplizierten Verträge und Verpflichtungen auch noch eine Weile dauern.

Grasl: Ziel "zu einem späteren Zeitpunkt

Wo er "in der Privatwirtschaft" aufschlägt, will er "zu einem späteren Zeitpunkt" bekanntgeben, ließ Grasl Dienstag verlauten.

Sein designierter Nachfolger Andreas Nadler, bisher Grasls Stellvertreter in der Kaufmännischen Direktion des ORF, wird die Geschäfte dort führen, bis er mit 1. Jänner 2017 formell Direktor wird.

Der ORF zitierte Grasl mit: "Ich habe Generaldirektor Wrabetz um eine formelle Auflösung gebeten, da ich mich einer spannenden Aufgabe in der Privatwirtschaft widmen möchte."

Generalswahl

Grasl bewarb sich nach sechs Jahren als Finanzdirektor und Nummer zwei im ORF um den Job des Generaldirektors, unterlag aber am 9. August mit bürgerlichen und blauen Stimmen gegen Amtsinhaber Alexander Wrabetz, den SPÖ, die Mehrheit der Betriebsräte, Grüne und Neos unterstützten.

ORF-Vertretung

Grasl wird in den kommenden Tagen auch seine Funktionen in den Aufsichtsräten der APA und der konzerneigenen Töchter zurücklegen, teilte der ORF mit. Auch seine Funktionen als Präsident des Mediaservers und als Vorstandsmitglied von AGTT und Radiotest wird er an seine Nachfolger übergeben. Dort vertrat er ja den ORF. Grasl ist auch Präsident der International Advertising Association (IAA).

Langer Dank, kurzer Dank

Grasl und Wrabetz dankten einander und anderen in der ORF-Aussendung unterschiedlich ausführlich.

Grasl: "Wir haben in den vergangenen sieben Jahren gemeinsam den ORF durch schwierige Zeiten manövriert und gut aufgestellt. Die Zusammenarbeit hat sowohl fachlich wie auch menschlich ausgezeichnet funktioniert, auch wenn wir uns in den letzten Monaten mit unterschiedlichen Konzepten für die Zukunft des Unternehmens beworben haben. Ich danke auch dem Generaldirektor dafür, dass er mir vorzeitig die Möglichkeit gibt, mich einer neuen, spannenden Herausforderung zu widmen. Ich möchte aber auch dem Team der Kaufmännischen Direktion und allen anderen ORF-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeitern danken, die den zum Teil sehr anspruchsvollen Kurs der vergangenen Jahre mitgetragen und gestaltet haben."

Wrabetz: "Ich danke Richard Grasl für seine jahrzehntelange Tätigkeit in verschiedenen Positionen und Funktionen im ORF, vor allem für seinen Einsatz als Kaufmännischer Direktor in den letzten Jahren. Insbesondere danke ich Richard Grasl für die professionelle Übergabe der Agenden an den zukünftigen Kaufmännischen Direktor und wünsche ihm für seine zukünftigen Aufgaben alles Gute."

ORF-Betriebsratschef will "prüfen"

ORF-Betriebsratschef Gerhard Moser schließt sich den Danksagungen nicht an: Der ORF habe seit Grasls Dienstantritt "ein Fünftel der Belegschaft verloren", diese habe "massive Sparpakete ertragen müssen". Grasl habe versucht, sich als "Hardliner" in Personal- und Finanzfragen zu profilieren, nach Mosers Einschätzung verlässt er den ORF "als gemachter Mann". Moser will "jeden Cent dieses Graselschen Abgangs prüfen und ihn der Belegschaft zukommen lassen".

Grasls ORF-Direktorenvertrag wurde nach STANDARD-Infos einvernehmlich zwei Monate vor Ablauf aufgelöst. Über die Konditionen liegen vorerst keine Informationen vor. (red, 18.10.2016)

  • Richard Grasl verlässt den ORF mit 31. Oktober.
    foto: apa/georg hochmuth

    Richard Grasl verlässt den ORF mit 31. Oktober.

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