USA: IS wird in Kampf um Mossul chemische Waffen einsetzen

18. Oktober 2016, 17:16
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EU-Sicherheitskommissar King warnt vor negativen Folgen für Europas Sicherheit

Mossul –Die USA rechnen mit einem Einsatz von Chemiewaffen durch die Jihadistenmiliz "Islamischer Staat" im Kampf um die nordirakische Stadt Mossul. Anfang Oktober sei Senfgas auf einem von IS-Kämpfern abgefeuerten Geschoß gefunden worden, berichtete ein US-Regierungsvertreter. Man gehe davon aus, dass die Jihadisten "primitive" Chemiewaffen einsetzen werden.

Allerdings dürfte es dem IS noch nicht gelungen sein, chemische Waffen mit tödlicher Wirkung zu entwickeln, sagte ein weiterer Regierungsvertreter. Senfgas kann zu Schädigungen an Haut und Lunge führen, ist in geringen Dosen aber nicht tödlich.

Auch Hilfsorganisationen wie das Rote Kreuz und die Internationale Organisation für Migration stellen sich auf den Einsatz von Chemiewaffen ein. Der IOM-Chef im Irak, Thomas Weiss, kündigte die Beschaffung von Gasmasken, das Rote Kreuz bereitet sich darauf vor, Opfer von Chemiewaffen zu behandeln.

IS-Anhänger aus Vororten geflohen

Am zweiten Tag der Großoffensive auf Mossul meldeten Sicherheitskräfte derweil weitere Geländegewinne. Die irakische Armee rückte am Dienstag kampflos in die früher fast ausschließlich von Christen bewohnte Stadt Qaraqosh südöstlich von Mossul ein. Die IS-Kämpfer seien zuvor aus dem Ort geflohen, sagte ein Militärsprecher. In anderen Gebieten mussten die Sicherheitskräfte mehrere Gegenangriffe abwehren.

Qaraqosh war einst eine der größten christlichen Städte im Irak. Der IS hatte die Stadt vor mehr als zwei Jahren eingenommen, nachdem sich kurdische Peschmerga von dort zurückgezogen hatten. Zehntausende Christen flohen damals vor den Extremisten. Nun feierten sie in kurdischen Gebieten die Befreiung der Stadt.

Obama warnt vor Anschlägen

Mossul ist die letzte Bastion des IS im Irak. Armee, kurdische Peschmerga-Kämpfer und lokale sunnitische Milizen hatten am Montag eine lang erwartete Großoffensive auf die Stadt begonnen und erste Orte eingenommen. Der Sprecher der US-Streitkräfte, John Dorrian, erklärte über Twitter, Armee und Peschmerga hätten ihre Ziele bisher im oder vor dem Zeitplan erreicht. Sollte Mossul vom IS befreit werden, wäre die Terrormiliz im Irak militärisch weitgehend besiegt.

US-Präsident Barack Obama warnte, dass der IS trotz militärischer Niederlagen noch die Kraft für Terroranschläge habe. "Auch wenn der IS weiter Boden im Irak, in Syrien und in Libyen verliert, hat er immer noch die Fähigkeit, Anschläge durchzuführen und zu planen, so wie wir sie im Nahen Osten, in Nordafrika, in den USA und in Europa gesehen haben", sagte Obama. Zugleich zeigte er sich zuversichtlich, den Krieg gegen den IS im Irak und in Syrien zu gewinnen: "Unsere Koalition ist in der Offensive, und auch wenn das ein sehr schwieriger Kampf ist, habe ich Vertrauen, dass wir gewinnen und Isis verlieren wird." Seit einem Jahr habe die Terrorgruppe keine größere erfolgreiche Operation im Irak oder in Syrien verzeichnen können: "Der IS bleibt in der Defensive."

Warnung vor Rückkehrern

EU-Sicherheitskommissar Julian King warnte vor negativen Folgen für Europas Sicherheit. "Die Rückeroberung der nordirakischen IS-Hochburg Mossul kann dazu führen, dass gewaltbereite IS-Kämpfer nach Europa zurückkommen", sagte King der "Welt" vom Dienstag. Das sei eine sehr ernste Bedrohung.

Frankreich, der Irak und weitere Partner wollen am Donnerstag in Paris über die künftige Stabilisierung von Mossul beraten. Mehr als 20 Länder und Organisationen sollten an dem Treffen teilnehmen, wie das französische Außenministerium mitteilte. (APA, 18.10.2016)

  • Irakische Sicherheitskräfte auf dem Weg nach Mossul.
    foto: reuters / azad lashkari

    Irakische Sicherheitskräfte auf dem Weg nach Mossul.

  • Kurdische Peschmerga-Truppen rücken auf Mossul vor.
    foto: reuters/azad lashkari

    Kurdische Peschmerga-Truppen rücken auf Mossul vor.

  • EU-Kommissar King.
    foto: afp photo / john thys

    EU-Kommissar King.

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