Rudolf Hundstorfer, Präsident in spe

18. Oktober 2016, 09:09
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Einen Monat vor dem Bundespräsidenten wird der Chef der Bundes-Sportorganisation "gewählt". Dieses Rennen hat Rudolf Hundstorfer bereits gemacht. Er wird nicht allzu herzlich willkommen geheißen und sieht sich mit großen Herausforderungen konfrontiert

Wien – In wenigen Wochen sind Wahlen, doch der Präsident steht schon fest. Im Sport, dem ja auch sonst gern Vorbildfunktion zugeschrieben wird, ist das möglich, konkret in der österreichischen Bundes-Sportorganisation (BSO). Aus der "Wahl" am 4. November wird der frühere Bundesminister und Bundespräsidentschaftskandidat Rudolf Hundstorfer als Sieger hervorgehen, er ist der einzige Kandidat für die Nachfolge von Herbert Kocher, dessen Vorgänger u. a. Peter Wittmann und Franz Löschnak waren. Der aus sechs Personen bestehende Wahlausschuss hat sich Mitte September auf den 65-jährigen Hundstorfer verständigt, dieses leicht an Nordkorea gemahnende Prozedere hat in der BSO durchaus Tradition.

Hundstorfer kann dafür nichts. Schon vor der Wahl sah und sieht er sich dem Vorwurf ausgesetzt, er sei "kein Sportfachmann". So tönte es vor allem aus der Steiermark, wo viele lieber den ehemaligen Landeshauptmann Franz Voves an der – traditionell von der SPÖ gehaltenen – BSO-Spitze gesehen hätten. Dort schrieb man Voves als Ex-Eishockeyteamspieler und Sportreferenten eine Kompetenz zu, die man beim Ex-Margareten-Handballer und langjährigen Wiener Handballverbandspräsidenten Hundstorfer unter den Tisch fallen ließ.

Termine beim Kanzler

Gegen Voves soll die Gewerkschaft opponiert haben. Peter Kleinmann, Präsident des Volleyballverbands und einflussreiches ÖOC-Vorstandsmitglied, hat dazu eine eigene Meinung. "Der BSO-Präsident muss mit Ministern und dem Bundeskanzler über und für den Sport reden können. Darum geht es. Er muss jemand sein, der einen Termin kriegt, wenn er anruft." Das traut Kleinmann Hundstorfer zu. "Ein guter Mann, geeignet für den Job."

Wilhelm Lilge ist sich da weniger sicher. Der Leichtathletiktrainer und deklarierte Sportsystemkritiker kritisiert in dem Zusammenhang auch Sportminister Hans Peter Doskozil in einem Blog. Doskozil hatte im August angekündigt, er wolle die Sportförderung "entpolitisieren" und binnen "zwei bis drei Wochen konkrete Vorschläge hinsichtlich Umsetzungsmaßnahmen auf den Tisch legen". Die Ankündigung hat sich laut Lilge als "unrealistisch und parteipolitisch motivierte Alibiaktion" entpuppt. Dabei sei "der Staat als Hauptgeldgeber und verantwortungsbewusster Treuhänder unserer Steuergelder gefordert, hier steuernd und korrigierend einzugreifen". Ob Hundstorfer als BSO-Präsident das richtige Zeichen sei, bleibe dahingestellt.

Kleinmann hat immer wieder gefragt: "Wofür gibt es die BSO?" Und immer wieder hörte er: "Die BSO soll dem Sport dienen." Das heißt alles und nichts. Laut Kleinmann soll sich die BSO künftig auf Wesentliches konzentrieren. Es gilt, den gesellschaftlichen Stellenwert des Sports zu heben, infrastrukturelle Maßnahmen zu forcieren, den Sport im Bildungswesen fest zu verankern. Die BSO beherbergt sechzig Fachverbände und drei Dachverbände, der Sport umfasst Winter- und Sommer-, Einzel- und Mannschafts-, olympische und nichtolympische Disziplinen. Da prallen viele Interessen aufeinander. Rudolf Hundstorfer wird es nicht leicht haben, ein Präsident für alle Sportlerinnen und Sportler zu sein. (Fritz Neumann, 18.10.2016)

  • Ab 4. November dirigiert Rudolf Hundstorfer als BSO-Präsident den heimischen Sport.
    foto: apa/herbert p. oczeret

    Ab 4. November dirigiert Rudolf Hundstorfer als BSO-Präsident den heimischen Sport.

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