Trumps Wahlkampf: Verbrannte Erde

Kommentar18. Oktober 2016, 07:40
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Die Republikaner im Kongress müssten klar gegensteuern

Wann immer man glaubt, es geht im US-Wahlkampf nicht tiefer, wird man vom republikanischen Präsidentschaftskandidaten eines Besseren belehrt. Seit der Veröffentlichung der Sex-Tonbänder hat Donald Trump den Kampf ums Weiße Haus aufgegeben. Er hat nur noch ein Ziel: Hillary Clintons bevorstehenden Sieg zu delegitimieren, indem er sie, die Demokraten, die Medien und das ganze "System" des Wahlbetrugs bezichtigt. "Rigged" – manipuliert – ist seit Tagen das in seinem Tweets am meisten gebrauchte Wort.

Neue Wähler kann Trump damit nicht ansprechen. Aber die vielen Millionen, die immer noch zu ihm stehen, lassen sich gern überzeugen, dass Clinton ihm den Sieg gestohlen und deshalb kein Recht aufs Regieren hat. Je größer ihr Sieg, desto größer der Betrug, lautet diese Logik.

Das untergräbt das Vertrauen in die Demokratie und lässt sogar Trumps Vize Mike Pence erschauern. Dabei haben die Republikaner dieser Taktik über Jahrzehnte selbst den Boden bereitet, indem sie zuerst Bill Clinton und später Barack Obama als Usurpator im Weißen Haus behandelten.

Trumps Politik der verbrannten Erde zerstört die Chancen, dass die gespaltene Nation nach dem Wahltag wieder zusammenwachsen kann. Die Republikaner im Kongress müssten hier klar gegensteuern. Zu befürchten ist hingegen, dass sie des politischen Kleingelds wegen die Zweifel an Clintons ehrlichem Wahlsieg weiter schüren werden. (Eric Frey, 17.10.2016)

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