Bilanz: ÖBB-Güterbahn nähert sich der Nulllinie

17. Oktober 2016, 17:10
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Transportvolumina rückläufig, Ergebnispolster von 57 Millionen Euro fast verbraucht

Wien – Die Sanierung der ÖBB-Gütersparte Rail Cargo Austria (RCA) war doch nicht so nachhaltig, wie bei Bilanzvorlage im April betont wurde. Das Geschäft laufe extrem zäh, berichten ÖBB-Insider. Die auch über konzerninterne Verkäufe (Stückgut, Güterterminals etc.) aufgebauten Reserven seien großteils verbraucht. Bereits in seiner Sitzung am 4. September wurde dem Aufsichtsrat der ÖBB-Holding Saures in Aussicht gestellt: Bleibe der Geschäftsverlauf auch im letzten Quartal so verhalten, könnte die Güterbahn RCA in die Verlustzone rutschen.

Das heißt konkret: Die von RCA 2015 erwirtschafteten 57,2 Millionen Euro an Vorsteuergewinn (EBT) wurden großteils verbrannt, bestätigen Aufsichtsratsmitglieder dem STANDARD. Am Umsatz zeige sich die Schwäche nicht, der liege in etwa auf Vorjahresniveau von 2,059 Milliarden Euro. Zur Erinnerung: Das Betriebsergebnis (Ebit) war 2015 bereits um 26 Prozent auf 76,6 Millionen eingebrochen.

ÖBB-Sprecher Michael Braun bestätigt, dass sich die Rail Cargo Group in einem "schwierigen Marktumfeld" befinde. "Wir gehen aber davon aus, dass wir ein positives Ergebnis erzielen werden." Allein 50 Millionen Euro würden durch das laufende "Ergebnissicherungsprogramm" eingespart. Der aktuelle Jahresforecast zeige ein positives Ergebnis, betont Braun unter Hinweis auf "den enormen Preisdruck im Güterverkehr". Transportvolumina stagnierten insbesondere bei Gütern wie Kohle, Stahl und Chemie.

Kleiner Polster

Den Rest besorge der Dieselpreis, der dem Straßengüterverkehr hilft. Rail Cargo habe trotzdem positive Ergebnisse geschafft – während große Mitbewerber wie Deutsche Bahn und PKP Negativergebnisse einfuhren, sagt Braun.

"Ganz ist er noch nicht weg, der Polster der RCA", versichert auch ein mit dem Gütergeschäft vertrauter ÖBB-Aufseher, "aber die Fixkosten laufen uns davon." Kostentreibend wirke auch, dass die Staatsbahnen im Ausland zunehmend auf Eigentraktion angewiesen seien. Früher wurden Leistungen im grenzüberschreitenden Verkehr im Kilometeraustausch verrechnet und die Marge aufgeteilt.

Die Transporte im grenzüberschreitenden Verkehr entwickelten sich gut, hält ÖBB-Sprecher Braun dagegen, auch im Langstreckengeschäft gebe es Zuwachs.

Womit klar ist: Auf den neuen RCA-Chef Clemens Först, der von DB zurückgeholt wird, warten schwierige Aufgaben. Sparen und Internationalisierung werden als Strategie nicht reichen. Und das Geld für eine Vertriebsoffensive muss erst gefunden werden.

Auf dem Prüfstand steht vor diesem Hintergrund – wie übrigens alle Investitionen der RCA – die Ausschreibung eines Rahmenvertrags für den Kauf von bis zu 200 Güterloks. Die Beförderungsleistung steige und ein wesentlicher Teil der ÖBB-Loks erreiche in den nächsten Jahren das Ende seiner Nutzungsdauer, sagt Braun. Der Zuschlag soll vor Weihnachten erteilt werden.

In der Bahnausrüsterbranche geht man davon aus, dass der Auftrag an Siemens gehen wird. Der Haus- und Hoflieferant der ÖBB ist bei der Vergabe von 300 Nahverkehrszügen soeben leer ausgegangen und hat – Zufall oder nicht – die Zuschlagserteilung an Bombardier nicht angefochten. (Luise Ungerboeck, 18.10.2016)

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