30-Jahr-Jubiläum: Grüne hoffen auf baldiges "Schnackeln"

17. Oktober 2016, 17:32
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Die Grünen feierten ihren Einzug ins Parlament 1986. Eva Glawischnig hielt eine flammende Rede für Europa und gegen Rechtspopulismus, Alexander Van der Bellen blieb fern

Wien – Inmitten der Feierlichkeit, Baden-Württembergs grüner Ministerpräsident Winfried Kretschmann verließ gerade das Rednerpult, stürmte eine Gruppe Jugendlicher das Abgeordnetensprechzimmer des österreichischen Parlaments. "Die Leute wollen, dass was passiert", skandierten sie und erhoben die Fäuste.

Kurz waren die Gäste des 30-Jahr-Jubiläums der Grünen im Nationalrat irritiert. Doch es lief alles nach Plan, es handelte sich um eine kurze Einlage des Jungen Volkstheaters. "So wie es jetzt ist, ist es scheiße", riefen die Schauspieler gegen Ende der Performance – dann betrat auch schon Eva Glawischnig die Bühne.

Die grüne Bundessprecherin gab in ihrer Ansprache zuerst einen Rückblick in die Parteigeschichte und dankte der Gründergeneration: der ersten grünen Parteivorsitzenden Freda Meissner-Blau, die im Dezember 1986 mit weiteren sieben Abgeordneten ins Parlament eingezogen war, aber auch den engagierten Menschen der Umwelt-, Frauen-, Schwulen- und Lesbenbewegung, den Antifaschisten und Christen und allen anderen grünen "Wurzeln". Danach hielt Glawischnig eine flammende Rede pro Europa und gegen Rechtspopulismus.

"Nicht von Rechtspopulisten kaputtmachen"

In Zeiten, in denen der gesellschaftliche Zusammenhalt bröckle, gebe es keinen anderen Weg, als auf mehr Europa zu setzen, betonte die Parteichefin. "Wir lassen uns dieses europäische Projekt von Rechtspopulisten nicht kaputtmachen", erklärte sie – auch in Richtung des blauen Präsidentschaftskandidaten Norbert Hofer.

Apropos Bundespräsidentenwahl: Während fast alle aktiven und ehemaligen grünen Abgeordneten und selbst die Klubchefs aller anderen Parteien bis auf Heinz-Christian Strache (FPÖ) an der Feierlichkeit teilnahmen, fehlte einer der ehemaligen Grünen-Chefs – nämlich Alexander Van der Bellen, Glawischnigs direkter Vorgänger und von den Grünen unterstützter Präsidentschaftsanwärter. Von ihm wurde nur eine Grußbotschaft verlesen: Er habe nun überparteilich zu sein und besuche deshalb "ausnahmslos keine Klub- und Parteiveranstaltungen". Für die grüne Unterstützung sei er aber "dankbar". Zum 35. Jubiläum wolle er dann "als Bundespräsident gratulieren dürfen".

"Dass es bald schnackelt"

Kretschmann, der erste von den Grünen gestellte Ministerpräsident eines deutschen Bundeslandes, kam angereist und fand ermutigende Worte: Die Grünen in Baden-Württemberg und Österreich hätten in der Opposition viel geleistet, "dreißig Jahre hat es bei uns gedauert. Auf einmal hat es geschnackelt, und wir waren in der Regierung." Den hiesigen Grünen wünsche er nun, dass es "dann bald mal auch schnackelt".

Darüber hinaus hob Kretschmann das Bewahren der Umwelt als Kernthema der Grünen hervor: "Ökologische Politik ist eben keine Spinnerei von irgendwelchen Fortschrittsgegnern, sondern es ist ein Menschheitsthema." Heute gehe es darum, die Industriegesellschaft so zu transformieren, dass der Planet Erde nicht gefährdet werde. Auch er warnte vor einem Rückfall ins Nationalstaatliche oder gar in einen aggressiven Nationalismus. "Es hat Europa nichts Gutes gebracht, daran sollten wir uns immer wieder erinnern." (Katharina Mittelstaedt, 18.10.2016)

  • Schauspieler des Jungen Volkstheaters rüttelten zwischendurch die Gäste der grünen 30er-Feier wach: "Die Leute wollen, dass was passiert. Die Leute haben das fast kapiert!"
    foto: matthias cremer

    Schauspieler des Jungen Volkstheaters rüttelten zwischendurch die Gäste der grünen 30er-Feier wach: "Die Leute wollen, dass was passiert. Die Leute haben das fast kapiert!"

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