Gedenkkirche statt Forschungsbau auf dem Schneeberg

18. Oktober 2016, 07:00
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Kaiserin Elisabeth zu Ehren wurde eine Kirche errichtet und vor 115 Jahren eingeweiht. Es hatte andere Pläne gegeben

Puchberg am Schneeberg / Wien – Zwei plötzliche Tode und ein erbitterter Streit gipfelten auf dem Schneeberg einst in der Entstehung jenes Kirchleins, das nahe der Bergstation der Zahnradbahn bis heute Wind und Wetter trotzt. Über das heuer 115 Jahre alte Bauwerk erschien nun das Buch "Der Kaiser auf dem Schneeberg und die bemerkenswerte Geschichte der Kaiserin-Elisabeth-Gedächtniskirche" im Kral-Verlag.

Autor Karl Rieder präsentierte es Ende vergangener Woche in Puchberg am Schneeberg.Im Mai 1898 starb der Erbauer der Schneebergbahn, Leo Arnoldi, 53-jährig "völlig unerwartet", wie Rieder festhält. Wenige Monate später wurde Kaiserin Elisabeth ermordet.

Neuer Schwung

Nach Arnoldis Tod forcierte der "Wissenschaftliche Club der Schneebergfreunde" die Errichtung eines ehrwürdigen Denkmals in Form einer wissenschaftlichen Einrichtung nahe der Endstation seiner Bahn. Der Tod der Kaiserin verlieh den Plänen für ein Observatorium – nun inklusive eines Raums zum Gedenken an "Sisi" – weiter Schwung.

Doch dann sollte alles anders kommen, wie Rieder nachzeichnet. Der Sprachwissenschafter hat das Dokumentationsarchiv zur Ortsgeschichte Puchbergs aufgebaut und dafür, wie er dem STANDARD sagte, "auf vielen Dachböden" Material gesammelt. Dieses belegt, dass Streitigkeiten über den Standort und die Dimension des gipfelnahen Forschungshauses, das in vielen Köpfen immer größer geriet, die Pläne schlussendlich zunichte machten.

Realisiert wurde eine Gedächtniskirche nach Plänen des Architekten Rudolf Goebel. Als "tüchtigen Organisator" bei dem Vorhaben machte Rieder Anton Falk aus, von 1891 bis 1927 Pfarrer von Puchberg.

Schnee im Juni

Im Jahr 1901 wurde die Kirche eröffnet, aber ohne Seine Majestät. Als der Kaiser im Juni 1902 dann doch noch anreiste, spielte das Wetter verrückt. Von "zehn Metern Neuschnee", berichtete das Neue Wiener Abendblatt, das tags darauf zerknirscht auf "Zentimeter" berichtigen musste.

foto: schneeberg-museum (archiv)
Der Kaiser beehrte Puchberg zwar nicht zur Eröffnung der Kirche, ein Jahr später besuchte Franz Joseph I. den Ort dann aber doch.

Franz Joseph konnte die Kirche jedenfalls besuchen – und die Puchberger feierten: "Heute ruhte die Arbeit, weil der Kaiser kommen sollte, und morgen wird sie ruhen, weil er kommen wird", berichtete das Abendblatt dann auch von "fröhlichster Stimmung". Kaiserin Elisabeth hatte Puchberg übrigens nie beehrt. Die ihr zugeschriebene Naturverbundenheit war Grund genug für die Ortswahl beim Kirchenbau.

Dieser ist starker Witterung ausgesetzt, was über die Jahrzehnte viele Renovierungen notwendig machte. Die letzte Generalsanierung erfolgte 2006. Das Eintreiben von Geldern sei für die Pfarre nicht immer einfach gewesen, sagt Rieder. Dass immer mehr Menschen mit der Schneebergbahn fahren, hält er für vorteilhaft für den Erhalt des Bauwerks. Der "Salamander", dessen Schienen an der Kirche vorbeiführen, feierte an einem Augustsamstag heuer mit 3750 Fahrten einen historischen Tagesbesucherrekord. (Gudrun Springer, 18.10.2016)

  • Ein Archivbild des Schneeberg-Museums zeigt die Kirche während der Bauzeit im Jahr 1900.  In der Mitte auf dem Gerüst ist Pfarrer Anton Falk.
    foto: schneeberg-museum (archiv)

    Ein Archivbild des Schneeberg-Museums zeigt die Kirche während der Bauzeit im Jahr 1900. In der Mitte auf dem Gerüst ist Pfarrer Anton Falk.

  • Das Kirchlein liegt an den Gleisen der Schneebergbahn –  im Bild ein Nostalgiezug.
    foto: wiener alpen/franz zwickl

    Das Kirchlein liegt an den Gleisen der Schneebergbahn – im Bild ein Nostalgiezug.

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