Stellenausschreibungen: Die meisten sind leere Worthülsen

    18. Oktober 2016, 07:13
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    Eine neue Studie zeigt, was Bewerber können müssen und wie sie umworben werden – nämlich mit recht allgemeinen Anforderungen

    Wer auf Jobsuche ist, versucht seine Bewerbung möglichst an die in Stellenannoncen ausgeschriebenen Fertigkeiten anzupassen. Eine Studie, über die auch Spiegel Online berichtet, hat nun untersucht, welche das sind. Dafür wurden mittels Big-Data-Tool mehr als 120.000 Stellenanzeigen analysiert.

    Der perfekte Bewerber ist demnach "gut" in den verschiedensten Dingen: Er ist "engagiert", "kommunikativ" und kann mit "Freude" und "Einsatzbereitschaft" aufwarten. Besonders häufig wird in Annoncen laut Studie übrigens die Abkürzung "u.a." oder die Langform "unter anderem" verwendet.

    Unternehmen "setzen in ihren Online-Stellenanzeigen auf Füllwörter, vorgestanzte Wortbausteine und Substantivierungen", kommentieren die Studieninitiatoren Manfred Böcker und Sascha Theisen, beide Unternehmensberater, das Ergebnis ihrer Analyse. "Die meisten Texte sind aus handwerklicher Perspektive unprofessionell geschrieben."

    Anstatt die genaue Aufgabe zu skizzieren, listen die meisten wohl nur Einzelaufgaben auf. Teil der Beschreibungen ist laut Studie besonders häufig der Begriff "Bereich".

    "Wir sind 'innovativ'"

    Besonders beliebt in Stellenausschreibungen dürfte auch der sperrige Nominalstil sein: Die untersuchten Inserate enthielten mehr als eine Million Wörter, die auf -ung enden, darunter Termini wie Bereitstellung, Erbringung, Identifizierung oder Finanzsteuerung.

    Wenig kreativ sind laut Studie übrigens nicht nur die Beschreibungen des künftigen Wunschmitarbeiters– sondern auch die des Unternehmens selbst. Arbeitgeber werden kaum konkret, geben selten ein Bild davon, was sie von anderen unterscheidet, sagen Böcker und Theisen. "Weltweit", "führend", "international" und "innovativ" sind angeblich so gut wie alle Firmen. Und sie bieten Mitarbeitern "eine attraktive Vergütung", "Weiterbildung" und "Spaß".

    Ebenfalls bemerkenswert: Nur jede dritte Anzeige habe eine anklickbare E-Mail-Adresse enthalten. Die meist genannten Varianten für Adressen sind "bewerbung@", "karriere@" und "jobs@". (lib, 18.10.2016)


    Die zehn beliebtesten Wörter in Stellenanzeigen:


    1. u.a./unter anderem

    2. Kunden

    3. Team

    4. Verantwortung/verantwortlich

    5. Bereich

    6. Zusammenarbeit

    7. Beste

    8. im Rahmen

    9. Kolleginnen/Kollegen

    10. optimieren/optimiert

    Top-Ten der Ansprüche an Arbeitnehmer:


    1. gut

    2. Team

    3. abgeschlossen

    4. Flexibilität

    5. Engagiertheit/engagiert

    6. Bereitschaft

    7. Freude

    8. strukturiert

    9. kommunikativ/kommunikationsstark

    10. Einsatzbereitschaft

    • Eine Analyse von Stellenausschreibungen zeigt: Unternehmen annoncieren Worthülsen wie "teamfähig" und "kommunikativ". Der am häufigsten gebrauchte Begriff ist "u. a.".
      foto: wordle/der standard

      Eine Analyse von Stellenausschreibungen zeigt: Unternehmen annoncieren Worthülsen wie "teamfähig" und "kommunikativ". Der am häufigsten gebrauchte Begriff ist "u. a.".

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