Wenn Brustkrebs Männer trifft

17. Oktober 2016, 14:17
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Männer, die an Brustkrebs erkranken, sind häufig mit dem Gedanken belastet, an einer "Frauenkrankheit" zu leiden. Forscher wollen nun die Bedürfnisse der Patienten analysieren

Brustkrebs ist die häufigste Tumorerkrankung bei Frauen. Weitaus weniger bekannt ist: Auch Männer können betroffen sein. Nach Hochrechnungen des Robert Koch-Instituts Berlin erhalten in Deutschland rund 700 Männer jedes Jahr die Diagnose Brustkrebs. In Österreich sind laut Statistik Austria etwa im Jahr 2012 insgesamt 73 Männer neu an Brustkrebs erkrankt.

Für die Betroffenen ist dies oft besonders belastend. Denn sie müssen die Krebsdiagnose verarbeiten und sehen sich zusätzlich mit dem Gefühl konfrontiert, an einer potenziellen "Frauenkrankheit" zu leiden. In der Bevölkerung ist zudem wenig bekannt, dass auch Männer an Brustkrebs erkranken können, was zu einem Gefühl der Stigmatisierung und Ausgrenzung führen kann. Nicht nur für die Patienten, auch für die behandelnden Ärzte und Pflegekräfte ist die Situation oft sehr schwierig und ungewohnt.

Welche speziellen Bedürfnisse haben männliche Brustkrebspatienten? Ist die medizinische Versorgung, die für Frauen stetig verbessert wurde, auch für Männer die bestmögliche? Diese und weitere Fragen wollen Wissenschaftler des Universitätsklinikums Bonn nun beantworten. Gemeinsam mit der Klinik und Poliklinik für Psychosomatik und Psychotherapie der Universität Köln, dem Brustzentrum des Klinikums der Universität München, der Deutschen Krebsgesellschaft und dem Netzwerk Männer mit Brustkrebs e.V. erfassen sie die medizinischen und psychosozialen Bedürfnisse von männlichen Brustkrebspatienten und werten diese aus.

Versorgungssituation beschreiben

N-MALE, so lautet der Name des Projekts, bei dem betroffene Männer, Ärzte und Pflegekräfte systematisch nach ihren Erfahrungen gefragt werden. "Wir beleuchten die Situation aus beiden Perspektiven – der des Patienten und der des Behandlers", erklärt Projektleiterin Nicole Ernstmann vom Universitätsklinikum Bonn. "Dies macht es uns möglich, die Versorgungssituation von männlichen Brustkrebspatienten erstmals genau zu beschreiben." Ziel sei es, Maßnahmen aufzuzeigen, mit denen die Versorgung von Betroffenen langfristig verbessert werden kann.

"Männliche Brustkrebspatienten leiden an einer der häufigsten Tumorarten. Dennoch ist Brustkrebs bei Männern eine Seltenheit", beschreibt Gerd Nettekoven, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Krebshilfe, die Situation. "Um die optimale Versorgung Betroffener besteht derzeit eine große Wissenslücke, die es zu schließen gilt." (red, 17.10.2016)

Hilfe für Betroffene:

Netzwerk Männer mit Brustkrebs – Österreich
E-Mail: r.glattau@brustkrebs-beim-mann.at
brustkrebs-beim-mann.at

Hintergrundinformation:

Das mittlere Erkrankungsalter für Brustkrebs bei Männern liegt bei 71 Jahren. Zu den Risikofaktoren gehören ein höheres Lebensalter, das Vorkommen von Brustkrebserkrankungen in der Familie, Hoden- und Nebenhodenentzündungen, hormonelle Veränderungen durch Lebererkrankungen und andere hormonelle Einflüsse sowie Strahlenbelastungen des Brustgewebes. Auch die Lebensweise spielt eine Rolle: Übergewicht und Bewegungsmangel erhöhen das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken.

Familiäre Brustkrebserkrankungen können auf Veränderungen in den Genen zurückgeführt werden. Betroffene, auf die das zutrifft, sind jünger, wenn die Krankheit ausbricht, und/oder es sind mehrere Familienmitglieder betroffen.

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  • Auch wenn es oft nicht den Anschein macht, können auch Männer an Brustkrebs erkranken. Nicht selten werden Betroffene stigmatisiert und ausgegrenzt.
    foto: sterreichische krebshilfe/apa-f

    Auch wenn es oft nicht den Anschein macht, können auch Männer an Brustkrebs erkranken. Nicht selten werden Betroffene stigmatisiert und ausgegrenzt.

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