Zwei Tote nach Explosion auf BASF-Gelände in Deutschland

18. Oktober 2016, 12:19
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Explosion in Ludwigshafen und Verpuffung in Lampertheim – Ursache weiter unklar, eine Person noch vermisst

Ludwigshafen – Bei der gewaltigen Explosion auf dem Gelände des deutschen Chemieriesen BASF am Montag Ludwigshafen sind nach Angaben des Unternehmens zwei Menschen ums Leben gekommen. Eine Person wurde noch vermisst, acht waren schwer, 17 weitere leicht verletzt, hieß es am Dienstag.

Bei den beiden Toten handelt es sich um Mitglieder der Werksfeuerwehr. "Wir sind sehr bestürzt, dass zwei unserer Mitarbeiter ums Leben gekommen sind. Sie haben sich als Feuerwehrleute für die Rettung von Menschenleben eingesetzt", sagte BASF-Vorstandsmitglied Margret Suckale.

Das Feuer sei zwar aus, die Lage aber weiter diffus, sagte ein Polizeisprecher. "Für die Rettungskräfte ist es schwer, an den Unglücksort heranzukommen." Aus Sicherheitsgründen fuhr BASF 14 Produktionsanlagen herunter, zwischen dem Landeshafen Nord und dem Rhein wurden Wassersperren errichtet.

Umweltmessungen unauffällig

Die Explosion ereignete sich am Montag gegen 11.30 Uhr im Landeshafen Nord bei Arbeiten an einer Rohrleitungstrasse. Im Einsatz waren Kräfte aus der gesamten Region, darunter ein Feuerlöschboot aus Mannheim und ein Erkundungswagen der Feuerwehr.

Die Ursache der Explosion mit mehreren Folgebränden war noch unklar. Laut Polizeiangaben gibt es keine Hinweise auf einen Anschlag. BASF zufolge war auch noch unbekannt, welche Stoffe sich in der Luft befanden. Umweltmessungen in der Luft und am Boden blieben zunächst unauffällig.

Anrainer wurden aufgefordert, in ihren Häusern zu bleiben, Türen und Fenster geschlossen zu halten sowie Lüftungs- und Klimaanlagen abzuschalten. Kindergärten und Schulen in den Stadtteilen Edigheim und Pfingstweide wurden informiert, dass Kinder und Jugendliche zunächst dort bleiben sollten. Der normale Schulbetrieb ruht zurzeit jedoch in Rheinland-Pfalz wegen der Herbstferien. Der Stadt zufolge klagten in Edigheim mehrere Menschen über Atemwegsbeschwerden.

ulli z.

Bei der Berufsfeuerwehr wurde ein Krisenstab eingerichtet. Auf der Website der Stadt Mannheim hieß es, es sei nicht auszuschließen, dass eine Rauchwolke über das Stadtgebiet ziehe. Auch dort sollten die Menschen vorsichtshalber Fenster und Türen geschlossen halten. Die Feuerwehr gab eine Gefahrenwarnung heraus.

Autofahrer sollten den betroffenen Bereich in Ludwigshafen großräumig umfahren. Über dem Norden der Stadt stieg eine große Rauchwolke auf. Es könne zu Geruchsbelästigungen und Sichtbehinderungen in den nördlichen Stadtteilen kommen, erklärte die Feuerwehr. An einem Werkstor wurde ein Infozelt für Anrainer aufgebaut.

Im Landeshafen Nord werden nach Angaben von BASF jährlich bei 2,6 Millionen Tonnen brennbare Flüssigkeiten und unter Druck verflüssigte Gase umgeschlagen. Über die Rohrleitungstrasse, an der die Explosion ausgelöst wurde, werden laut einer BASF-Sprecherin Vorprodukte von Schiffen zu den Produktionsstätten transportiert. Aus Sicherheitsgründen wurden die beiden sogenannten Steamcracker und weitere Anlagen am Standort heruntergefahren. Dabei hätten sich Fackeln gebildet, weil Stoffe in Leitungen verbrannt werden mussten.

Weltweit größtes zusammenhängendes Chemieareal

Die Steamcracker ("Dampfspalter") sind das Herzstück des Werks, an dem chemische Grundbausteine für die Produktion entstehen. Der neuere aus dem Jahr 1980 hat eine Fläche von rund 64.000 Quadratmetern. Dort wird mithilfe von Dampf Rohbenzin aufgespalten. Das BASF-Werk in Ludwigshafen ist das größte zusammenhängende Chemieareal weltweit.

In einem anderem BASF-Werk in der südhessischen Stadt Lampertheim war es ebenfalls am Montag zu einer Verpuffung an einem Filter gekommen. Dabei wurden vier Personen verletzt, auch hier war der Grund noch unklar.

Ludwigshafen war bereits am 23. Oktober 2014 Ort einer gewaltigen Explosion, als eine Hochdruckgasleitung an der Schnittstelle der Stadtteile Oppau und Edigheim explodierte. Ein Arbeiter wurde dabei getötet, ein weiterer so schwer verletzt, dass er Wochen später starb. 22 Menschen erlitten ebenfalls Verletzungen. Die Arbeiter einer hessischen Firma hatten die Leitung ausgegraben, weil sich bei einer Kontrolle Unregelmäßigkeiten gezeigt hatten. Den Auftrag hatten sie vom Leitungsbetreiber Gascade, einem Gemeinschaftsunternehmen der BASF und des russischen Energieriesen Gazprom. Die Staatsanwaltschaft ermittelt in diesem Fall wegen fahrlässiger Tötung und der fahrlässigen Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion, wartet aber noch auf ein entscheidendes Gutachten. (APA, Reuters, 18.10.2016)

Dieser Artikel wird laufend aktualisiert.

  • Eine hohe Rauchsäule war kilometerweit zu sehen.
    foto: apa/afp/dpa/ulli ziegenfuss

    Eine hohe Rauchsäule war kilometerweit zu sehen.

  • Feuerwehrleute bei den Löscharbeiten.
    foto: apa/afp/daniel roland

    Feuerwehrleute bei den Löscharbeiten.

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