Siamesische Zwillinge bei 27-stündiger Operation getrennt

17. Oktober 2016, 09:40
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Die Zwillingsbrüder teilten sich eine fünf mal sieben Zentimeter große Fläche Hirngewebe. Nun wurden sie in New York erfolgreich voneinander getrennt

Erstmals seit ihrer Geburt vor 13 Monaten können die Brüder Anias und Jadon in getrennten Betten liegen. Die an den Köpfen verwachsenen siamesischen Zwillinge waren in einem medizinischen Marathoneingriff in New York getrennt worden. Insgesamt dauerte die Operation 27 Stunden, sie war erfolgreich.

"Zwei getrennte Babys", schrieb die Mutter der Kinder, Nicole McDonald, nach der Operation auf Facebook. Sie stünden jetzt vor einem neuen Kapitel ihres Lebens. Es werde Wochen dauern, bis man absehen könne, wie sich die Buben von dem Eingriff erholen.

Dem Sender CNN zufolge, der den Eingriff dokumentierte, dauerte allein die Trennung der beiden Schädel rund 16 Stunden. Komplizierend kam hinzu, dass sich die Brüder eine etwa fünf mal sieben Zentimeter große Fläche Hirngewebe teilten. Weitere Operationen waren nach dem letzten Trennschnitt nötig, um ihre beiden Köpfe wieder zu vervollständigen.

Das Ärzteteam um den Neurochirurgen James Goodrich vom New Yorker Montefiore Medical Center hatte die jungen Patienten über Monate hinweg auf die schwierige Operation vorbereitet. So wurde etwa ihre Kopfhaut mit Implantaten für die geplante Trennung ausgedehnt.

Seltene Operation

Da etwa 80 Prozent der am Kopf verbundenen siamesischen Zwillinge ohne einen Trennungseingriff innerhalb der ersten beiden Lebensjahre sterben, andererseits die Operation bleibende Hirnschäden verursachen kann, standen die Eltern vor einer schwierigen Entscheidung.

Derartige Kopf-Operationen sind extrem selten, die erste wurde 1952 in den USA durchgeführt. Einer der Buben starb einen Monat nach dem Eingriff, sein Bruder wurde elf Jahre alt. Bei dem jüngsten Eingriff in New York handelt es sich nach Angaben des Senders CNN um die 59. Prozedur dieser Art weltweit.

Nicole McDonald postete am Freitag Fotos der beiden Buben in ihren eigenen Krankenhausbetten. "Wie surreal", schrieb sie und bedankte sich bei dem leitenden Arzt. Er habe ein Wunder vollbracht. Tausende Nutzer drückten der Familie in den sozialen Medien ihre Glückwünsche aus. (APA, 17.10.2016)

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