Ausschreitungen in brasilianischem Gefängnis: Häftlinge enthauptet

17. Oktober 2016, 07:11
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25 Tote, mehrere verbrannt – 100 Menschen vorübergehend als Geiseln genommen

Brasilia – Bei Kämpfen zwischen rivalisierenden Banden sind in einem brasilianischen Gefängnis mindestens 25 Insassen getötet worden. Sieben der Toten wurden enthauptet und sechs weitere bei lebendigem Leib verbrannt, berichtete die Nachrichtenwebsite G1 unter Berufung auf die Polizei am Sonntag.

Die tödlichen Zusammenstöße ereigneten sich in einer Haftanstalt in Boa Vista, der Hauptstadt des nahe der Grenze zu Venezuela gelegenen Bundesstaats Roraima. Die Kämpfe begannen den Angaben zufolge, als mit Messern und Knüppeln bewaffnete Insassen eines Blocks in einen anderen Block des Gefängnisses Agricola de Monte Cristo eingebrochen waren. Rund hundert Angehörige von Insassen, die gerade zu Besuch in der Haftanstalt waren, seien vorübergehend als Geiseln genommen worden.

Die Aufständischen forderten demnach, dass ein Richter komme, um ihre Forderungen anzuhören. Stattdessen stürmten Sondereinheiten der Polizei das Gefängnis. Sie befreiten die Geiseln – laut dem Justizminister des Bundesstaates, Uziel Castro, größtenteils Frauen – und erlangten bis zum Abend die Kontrolle zurück.

Joana Moura, Vorsitzende der Gewerkschaft der Strafvollzugsbeamten in Roraima, sagte der Zeitung "Folha de Boa Vista", der Vorfall sei das Ergebnis mangelnden Interesses der Regierung des Bundesstaates für das Gefängnissystem. Es gebe keine Sicherheitseinrichtungen, nicht genügend Personal, und die Wachleute seien völlig überarbeitet.

Beklagenswerte Zustände in den Gefängnissen

Aufstände und Kämpfe kommen in den überfüllten brasilianischen Gefängnissen häufig vor. Im September wurden nach einer Gefängnismeuterei in Jardinopolis mehr als 300 geflohene Häftlinge von der Polizei festgenommen. Ende Mai starben 14 Häftlinge in Gefängnissen des nordöstlichen Bundesstaates Ceara. Die interamerikanische Menschenrechtskommission äußerte daraufhin ihre Besorgnis über die Gefängnisgewalt und forderte umfassende Reformen. In der berüchtigsten Anstalt wurden 1992 111 Häftlinge von Polizisten hingerichtet.

Ende 2014 gab es in Brasilien einem Bericht des Justizministeriums zufolge 622.000 Gefangene, die meisten von ihnen schwarze Männer. Brasilien hat weltweit die viertgrößte Gefangenenpopulation nach den USA, China und Russland. Menschenrechtsorganisationen kritisieren seit Jahren die beklagenswerten Zustände in den brasilianischen Gefängnissen.

Auch Brasiliens Justizminister José Eduardo Cardozo hatte sich im vergangenen Jahr äußerst kritisch über die Lage in den Gefängnissen des Landes geäußert. In den Haftanstalten hätten oft kriminelle Organisationen das Sagen, die die Gewalt außerhalb der Gefängnismauern steuerten. "Die brasilianischen Gefängnisse sind wahre Schulen des Verbrechens", räumte Cardozo vor einem Parlamentsausschuss in Brasília ein. (APA, red, 17.10.2016)

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