Radikale muslimische Jugendliche: Maßnahmen statt Aufregung

Kommentar16. Oktober 2016, 18:05
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Erregtheiten tragen nichts zu vernunftbetonten Maßnahmen gegen die in der Wiener Studie offenbar gewordene Intoleranz unter muslimischen Jugendlichen bei

Die nach der Onlineveröffentlichung des Standard-Artikels über radikalisierungsgefährdete muslimische Jugendliche sofort einsetzende Posting-Flut zeigte es: Diese Ergebnisse sind ein aufgelegter Elfer für Rechtspopulisten und Islamskeptiker.

Auch in den ersten politischen Reaktionen aus der FPÖ und der Wiener ÖVP setzte sich dies fort. Die Botschaft, dass immerhin 42 Prozent der befragten jungen Muslime, die als Jugendarbeitsklienten sozial schwächeren – und damit wohl bildungsferneren – Schichten angehören, liberal sind und Gewalt ablehnen, wird völlig ignoriert. Stattdessen wird ausschließlich die Nachricht von 27 Prozent durch islamistische Propaganda potenziell ansprechbaren muslimischen Teenagern ausgewalzt, um Wiens Integrationspolitik zum wiederholten Mal für gescheitert zu erklären.

Das Traurige daran: Derlei Erregtheiten tragen absolut nichts zu einer vernunftbetonten Analyse der Studie bei. Dabei ist eine solche bitter nötig, denn die Ergebnisse mahnen zu Maßnahmen gegen die hier offenbar gewordene Intoleranz, den Hass auf Homosexuelle und Juden unter sozial benachteiligten Jugendlichen mit – vor allem – muslimischem Hintergrund. Und das ist eine schwierige Aufgabe, weil dazu in Herkunftscommunitys wie Moscheen offene Diskussionen über Tabuthemen angestoßen werden müssen – um die Erwachsenen zu erreichen, die bei den Jungen die Grundlage zu derlei Einstellungen legen. (Irene Brickner, 16.10.2016)

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