Trump ortet Doping und eine manipulierte Wahl

16. Oktober 2016, 17:47
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Nach neuen Vorwürfen der sexuellen Belästigung hat Donald Trump den Ton im US-Wahlkampf noch einmal verschärft

In der Schlammschlacht ums Weiße Haus hat Donald Trump seine Angriffe auf seine Rivalin Hillary Clinton noch einmal verschärft. Vor der dritten und letzten Fernsehdiskussion, bei der beide am Mittwoch in Las Vegas aufeinandertreffen, vergleicht er sie mit Athleten, die auch vor Doping nicht zurückschrecken, um nur ja auf dem Siegertreppchen ganz oben zu stehen.

"Ich denke, wir sollten uns vor der Debatte einem Drogentest unterziehen", schlug der republikanische Präsidentschaftskandidat am Wochenende auf einer Kundgebung in New Hampshire vor. "Wir sollten uns auf Drogen testen lassen, denn ich weiß nicht, was da vorgeht bei ihr." Bei der zweiten Debatte habe Clinton anfangs gewirkt, als wäre sie aufgeputscht, "und am Ende war es wie ‚Hey, holt mich hier raus‘." Letzteres – einen starken Start gefolgt von starkem Nachlassen – hatten Kommentatoren freilich fast wortgleich Trump nach dessen Auftritt in der ersten Debatte bescheinigt.

Clinton habe es kaum bis zu ihrem Auto geschafft, behauptete Trump – offenkundig darum bemüht, Gerüchte wiederzubeleben, wie sie vor fünf Wochen nach einem Schwächeanfall seiner Kontrahentin kursierten. An einer Lungenentzündung erkrankt, war Clinton bei einer Gedenkstunde für die Opfer der Anschläge des 11. September zusammengebrochen, was fieberhafte Spekulationen auslöste, ob sie überhaupt fit fürs Präsidentenamt sei.

Zweifel an Wahlablauf

In dem Versuch, Zweifel am Gesundheitszustand der ehemaligen Außenministerin zu säen, hat bereits vor Tagen ein sogenanntes Super-PAC, ein im Auftrag eines Millionenspenders gegründetes politisches Komitee, dazu aufgerufen, beide Bewerber auf Medikamente testen zu lassen.

Zudem skizziert Trump, außer Rand und Band, seit Vorwürfe der sexuellen Belästigung die Runde machen, in düsteren Anspielungen ein Szenario massiven Wahlbetrugs. Das Votum am 8. November werde von den Demokraten gefälscht werden, um ihm den Einzug ins Weiße Haus zu verwehren, suggeriert er.

Dass es mittlerweile mindestens neun Frauen sind, die schildern, wie der Immobilienmogul sie bedrängte, stellt er als Teil einer Verschwörung dar. Die Wahl, wetterte der 70-Jährige in einem Tweet, werde manipuliert von den Medien, die schamlose Lügen verbreiteten, um die "betrügerische Hillary" gewinnen zu lassen. Einige der Frauen, die erzählen, wie er sie gegen ihren Willen begrapschte, küsste, sie an sich zog, hat er in aller Öffentlichkeit verhöhnt. "Schaut sie euch an. Glaubt mir, sie wäre nicht meine erste Wahl", spottete er etwa über Jessica Leeds, die zu Protokoll gegeben hatte, wie Trump sie vor über 30 Jahren an Bord eines Flugzeugs belästigt hatte.

Den Mehrheitswillen zurechtgebogen

Trumps Vorwurf der Wahlmanipulation ist nicht neu. Schon seit Monaten inszeniert sich der Milliardär als potenzielles Opfer eines finsteren Komplotts. Falls er nicht Präsident werde, geht die von ihm gestreute Legende, könne es nicht mit rechten Dingen zugehen. Dann werde der Mehrheitswille von Strippenziehern im Hintergrund zurechtgebogen. Einmal setzt seine Kampagne Gerüchte in die Welt, denen zufolge die Demokraten Busse voller illegaler Immigranten von Lokal zu Lokal fahren werden, damit Letztere für Clinton stimmen. Einmal wieder bedient sie sich rassistischer Untertöne: Wenn sie etwa vor Täuschungsmanövern in "gewissen Bezirken" des hart umkämpften Bundesstaats Pennsylvania warnt, dann ist damit offensichtlich Philadelphia gemeint, eine Großstadt, in der mehr schwarze als weiße Amerikaner leben.

Aber auch Paul Ryan, der republikanische Vorsitzende des Repräsentantenhauses, stellt sich nunmehr entschieden gegen Trumps Kampagne. Die amerikanische Demokratie basiere auf Vertrauen in die Wahlergebnisse, "und der Speaker hat volles Vertrauen, dass die einzelnen Bundesstaaten diese Wahl integer durchführen werden", ließ er seine Sprecherin erklären. (Frank Herrmann aus Washington, 16.10.2016)

  • Vorsorgliche Vorwürfe des Wahlbetrugs gegen ein "korruptes System" erhob Donald Trump am Wochenende auch vor einer Hindu- Wählergruppe. Er steht unter Druck, seitdem sich immer wieder Frauen bei Medien melden, die behaupten, von ihm sexuell belästigt worden zu sein.
    foto: apa / afp / getty images / kena betancur

    Vorsorgliche Vorwürfe des Wahlbetrugs gegen ein "korruptes System" erhob Donald Trump am Wochenende auch vor einer Hindu- Wählergruppe. Er steht unter Druck, seitdem sich immer wieder Frauen bei Medien melden, die behaupten, von ihm sexuell belästigt worden zu sein.

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