Raiffeisen-Banken ringen um neue Struktur und Posten

17. Oktober 2016, 07:00
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Die Banken im Raiffeisen-Sektor müssen zusammenrücken. Über die künftige Aufgabenteilung wird noch diskutiert, ebenso um Spitzenjobs

Wien – Im Jänner soll die Fusion von Raiffeisen Zentralbank (RZB) und Raiffeisen Bank International (RBI) beschlossen werden. R2, wie die Zusammenlegung des Spitzeninstituts RZB mit seiner Ostbankentochter RBI zu einer Art RBI plus genannt wird, ist der erste Schritt zum Umbau der Banken des Genossenschaftssektors.

RZB-Chef und RBI-Aufsichtsratschef Walter Rothensteiner sagt selbst, dass "klar ist, dass wir enger zusammenrücken müssen". Ob durch "weitere Fusionen oder verstärkte Arbeitsaufteilung" sei sekundär, so Opern-Fan Rothensteiner zur Raiffeisen Zeitung.

Doch die Zeit drängt. Auch die Bankenaufseher in EZB und FMA sehen R2 gleichsam nur als Ouvertüre zur großen Umbauoper.

Sektor-Aufgaben werden verteilt

Die neue Konstellation ist haarig. Die RZB erfüllt ja die Sektoraufgaben – die werden nun neu verteilt. Übernehmen sollen diese Jobs die Raiffeisenlandesbanken (RLBs), denen die RZB derzeit gehört und die künftig an der RBI plus beteiligt sein werden.

Vor allem, dass die RBI an der Börse notiert (der Streubesitz wird um die 35 Prozent liegen), bedeute "eine tiefe Zäsur", so ein Banker. Denn: Alle Aktionäre müssen gleich behandelt, gleich informiert werden. Eine Sonderrolle werden die Landesbanken nicht mehr spielen. Zur Erinnerung: Zweitgrößter RBI-plus-Aktionär wird die RLB NÖ-Wien mit rund 22 Prozent sein, drittgrößter die RLB Steiermark mit rund zehn Prozent, knapp dahinter wird die RLB OÖ mit rund 9,5 Prozent liegen.

Landesbanker zeigen Bizeps

Doch schon bei der Neuverteilung von Aufgaben spießt es sich; die Landesbanker lassen ihre Muskeln spielen. Im Projekt "Lead plus" wird gerade geprüft, welche Aufgaben wo landen werden. Da geht es um Recht, Compliance, Treasury oder – besonders wichtig, weil öffentlichkeitswirksam und mit viel Budget ausgestattet – um Marketing und Öffentlichkeitsarbeit. Ist die Zuteilung klar, sind "die Landesbanken, die Bereiche abgeben, den anderen bis zu einem gewissen Grad ausgeliefert", analysiert es ein Banker.

Eine Aussicht, die die Spieler im dezentralen Sektor erschaudern lässt. Umso mehr, als die größeren Landesbanken zum Zug kommen dürften, wie die RLB Oberösterreich oder Steiermark. Sie werden von den Brüdern Heinrich (OÖ) bzw. Martin Schaller geführt. Und sie haben sich zu den stärksten Widerparts der RLB NÖ-Wien entwickelt, der größten Aktionärin der RZB (bzw. RBI). Es heißt, die Achse Linz-Graz sei bereits stärker als NÖ-Wien, wo Erwin Hameseder das Sagen hat. Er leitet die Freundesrunde RLBs (als RZB-Aktionäre) und ist Aufsichtsratschef von RLB NÖ-Wien und RZB sowie Vizepräsident der RBI.

Chef-Posten noch offen

Womit man bei den Personalia wäre, die bald entschieden werden müssen. Hameseder will gern Aufsichtsratschef der RBI plus werden. Das will allerdings auch Rothensteiner, der noch bis 2018 Generalanwalt des Raiffeisenverbands ist. Dass er in der RBI-Hauptversammlung quasi von den eigenen Leuten abgewählt wird, halten Insider für unwahrscheinlich: "Das käme dem Sturz eines Denkmals gleich." Offen ist auch, wer die neue RBI führen wird. Heinrich Schaller werden gute Karten nachgesagt; aber auch RBI-Risikochef Johann Strobl.

An dieser Stelle schließt sich der Kreis: Denn solange die Sektorstruktur und die RBI-Strategie nicht fix sind, wird es schwierig sein, einen RBI-Chef zu installieren. Ein Involvierter pointiert: "Es setzt sich doch keiner auf ein Pferd, von dem man nicht weiß, wohin es rennen soll." (Renate Graber, 17.10.2016)

  • Die Umstrukturierung der Raiffeisen-Banken ist noch lange nicht in der Zielgeraden. Die (Macht-) Fragen, wer mit wem in welche Richtung fährt und wer wo geparkt wird, müssen bald geklärt werden.
    foto: reuters/föger

    Die Umstrukturierung der Raiffeisen-Banken ist noch lange nicht in der Zielgeraden. Die (Macht-) Fragen, wer mit wem in welche Richtung fährt und wer wo geparkt wird, müssen bald geklärt werden.

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    foto: reuters/leonhard foeger
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