Präsidentschaftswahlkampf im Netz: Von Logen und Europas Zukunft

16. Oktober 2016, 18:16
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In sozialen Medien kann Van der Bellen noch zulegen

Wien – Norbert Hofer macht sich "natürlich Gedanken darüber, wie ich mein Amt anlegen werde, wenn ihr mich zum Bundespräsidenten wählt". Auf seiner Facebook-Fanseite verspricht er, Ceta und TTIP nicht ohne direktdemokratische Entscheidung zu unterzeichnen. Und er verspricht, "nicht nur Staatschefs" zum Opernball einzuladen, sondern auch "ganz normale Menschen, ... das kann ein Handwerker sein, eine zahnärztliche Assistentin, eine Pflegefachkraft oder ein kleiner Landwirt", in seine Loge zu bitten. So stand es am Sonntag auf Hofers Fan-Seite.

Und auf dem persönlichen Account Hofers lassen sich dessen 4998 Freunde (mehr lässt Facebook nicht zu) vor 14.428 weiteren Abonnenten über Amokläufer, die "jeden Tag mehr werden", und über den angeblich nahenden, vom Pentagon angezettelten Dritten Weltkrieg aus.

Hofers Konkurrent um die Präsidentschaft, Alexander Van der Bellen, konterte am Sonntag: "Die Entwicklungen der letzten Monate haben mir gezeigt, dass wir jetzt umso mehr zusammenhalten müssen. Dass wir weitermachen und dem plumpen Populismus entgegentreten müssen, der so viel bedroht, was hart erarbeitet und für unsere Zukunft und für Europa von immenser Wichtigkeit ist."

Wahlkampf in den sozialen Medien, derzeit allerdings auf Sparflamme, wie Markus Zimmer betont. Der Chef des Medienbeobachtungsunternehmens Buzzvalue erklärt: "Die sozialen Medien spielen im Wahlkampf beider Kandidaten eine große Rolle, denn sowohl die Zahl der Anhänger als auch deren Interaktion auf Facebook, Twitter und Co nehmen seit Beginn des Wahlkampfes laufend zu." Wobei die Kanäle, die von den Kandidaten bespielt werden, unterschiedlich sind: "Auf Facebook hat Norbert Hofer die Nase vorn. Er erreicht aktuell rund 275.000 Fans, Alexander Van der Bellen mehr als 210.000 Fans. Auf Twitter hingegen liegt Van der Bellen mit knapp 30.000 Followern deutlich vor Hofer. Auf Instagram erreichen beide Kandidaten rund 20.000 Fans."

Auffallend sei, dass Van der Bellen nicht nur nach dem ersten Wahlgang der Bundespräsidentenwahl, sondern vor allem nach dem Erkenntnis des Verfassungsgerichts, das eine Wiederholung der Stichwahl angeordnet hat, stärker als Hofer Fans dazugewinnen konnte – allerdings von einer geringeren Ausgangsbasis. Aus Zimmers Sicht noch bedeutsamer: Seit dem Erkenntnis habe Van der Bellen den Freiheitlichen bei den Fan-Interaktionen in den sozialen Medien überholt. (cs, 16.10.2016)

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