Etat-Wochenschau: Jägers Quantum Quote, Dichands Wind, Grasls Abgang

17. Oktober 2016, 08:00
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Eine obdachlose Ausgabe von "Népszabadság", ausgezeichneter Blattsalat und eher keine ORF 1-Infoshow

Wien – Es ist ein kleiner Schritt für die Menschheit, für Servus TV aber womöglich ein Quantensprung: Kommenden Mittwoch ist Andreas Jäger nach langem Ausflug ins Red Bull Media House erstmals wieder im ORF zu sehen. Bis Ende November verabschiedet sich Jäger ganz von Servus – wo er just vorige Woche einen neuen Bestwert als "Quizmaster" eingefahren hat.

Ein Quantum Quote

Freitag nahm das Vorabendquiz mit Andreas Jäger erstmals die 100.000er-Marke mit im Schnitt 102.000 Menschen vor den Bildschirmen. Erstmals lag der Marktanteil bei fünf Prozent.

Jäger präsentiert ab Mittwoch auf ORF 3 das 14tägliche Wissensmagazin "Quantensprung", Folge 1 mit Paradewissenschafter Anton Zeilinger. Wer immer seinen Job beim anderen Format mit Q übernimmt, Jäger wird Servus TV wohl fehlen.

foto: orf/clever contents
Quantensprung zurück zum ORF: Andreas Jäger hat in Folge 1 auf ORF 3 ein Quantum Spass mit Anton Zeilinger (li.).

Ungarn: Obdachlose Redaktion macht Obdachlosenzeitung

Besser ein Sender ohne Quizmaster als eine Zeitungsredaktion ohne Zeitung, ohne Zugang zu Mailboxen und Recherchen: Die Journalisten Népszabadság werden diese Woche eine letzte Ausgabe ihrer regierungskritischen Zeitung produzieren – als Spezialheft einer Budapester Obdachlosenzeitung.

Die Redaktion ist selbst auf eine besondere Art ohne Obdach, seit sie vorvergangene Woche ihr Recherchematerial, all die kleinen persönlichen Dinge am Arbeitsplatz und das Büromaterial in Übersiedelungskisten packte – um tags darauf festzustellen, dass sie ihre Schreibtische für das Ende ihrer Zeitung auch noch selbst geräumt hat.

Bis zur möglichen Reinkarnation eines Mediums der "Nepszabadsag"-Redaktion könnte man das eine oder andere Internetportal empfehlen, etwa index.hu, 444.hu oder auch, deutsche Funke-Gruppe, hvg.hu. Alles unter dem Vorbehalt überschaubarer Ungarisch-Kenntnisse über "Kezét csókolom!" hinaus.

Eine Familie macht Wind

Wo wir schon bei Streit in Verlagshäusern sind: Die "Krone" bewirbt seit Sonntag mit einer Serie und Eigeninseraten ihren eigenen Stromtarif, "powered by oekostrom AG". Als der jahrzehntelange Konflikt der Eigentümer noch etwas offener und öffentlicher ausgetragen wurden, hätte die Aktion die deutsche Funke-Gruppe wohl zumindest zu ein paar Nachfragen bei Familie Dichand geführt.

foto: red
"Gute Energie": Neue "Krone"-Aktion mit Partner oekostrom AG.

Aus den offeneren Zeiten ist bekannt, dass Hans Dichands Frau Helga Dichand ihrem Sohn Michael Dichand vor mehr als zehn Jahren (originellerweise über einen Treuhänder) Geld zukommen ließ, das Michael Dichand nach damaligen Angaben in oekostrom-Aktien investieren sollte. Aber auch und wohl gerade wenn Familienmitglieder noch an dem "Krone"-Kooperationspartner beteiligt wären, werden die Dichands gewiss ganz besonders auf eine astreine Konstruktion dieser Partnerschaft geachtet haben.

Inzwischen wirken die Streitparteien weniger am Kleinkrieg denn eher an größeren Lösungen interessiert: Vor dem jüngsten Schweizer Schiedsgericht geht es, wie berichtet, um den garantierten Gewinn für Familie Dichand und Haftungen der deutschen "Krone"-Hälfteeigentümer dafür. Und eigentlich scheint es längst mehr darum zu gehen: Kaufen die Dichands die 50 Prozent der Funke-Gruppe an der "Krone" – und wie löst man den "Kurier" aus dem gemeinsamen "Krone"/"Kurier"-Verlag Mediaprint? Am Kurier hält Raiffeisen eine knappe Mehrheit, der Rest gehört ebenfalls den Funkes. Solche Themen werden sich wohl auch in dieser Woche nicht abschließend lösen lassen.

Ausgezeichneter Blattsalat

Die Woche kann, je nach Perspektive, auch erfreulicher beginnen: Günter Traxler, Autor des wöchentlichen Blattsalat im STANDARD und auf derStandard.at, erhält zusammen mit dem besten Wiener Bürgersender der Welt, Okto nämlich, den Walther-Rode-Preis des Medienhaus Wien.

Mit dem "Blattsalat" habe Traxler "einzigartige medienkritische Kolumne etabliert", erklärt das Medienhaus Wien, das den Preis vergibt. "Sie hält österreichischem Journalismus den Spiegel vor und provoziert in subtiler sprachlicher Qualität den Diskurs, vor allem auch über die Schwächen des österreichischen Print-Journalismus."

Die Laudatio auf Günter Traxler und das Medienquartett auf Okto finden Sie übrigens ab Montagabend hier auf derStandard.at/Etat.

Kardiologie für Jungjournalisten

Wenn wir schon am Reden sind: STANDARD-Aufdeckerin, -Wirtschaftsredakteurin und redaktionelles Schweizermesser Renate Graber wird Dienstagabend den Absolventinnen und Absolventen des FH-Studiengangs für Journalismus und Medienmanagement näherbringen, was sie in der Branche erwartet.

Was das mit der Kardiologie zu tun hat (und dem aufrechten Gang, auch der Herzfrequenz), erfahren Sie entweder am Dienstagabend im alten Börsegebäude am Wiener Schottenring oder auf derStandard.at/Etat. Wir – derStandard.at/Etat – bringen Renate Grabers überaus lesenswerten Redetext am Dienstagabend.

Infoshow, bitte warten

Es soll eine der ergiebigsten Klausuren der ORF-Fernsehdirektion von Kathrin Zechner gewesen sein, die da vorige Woche bei Gols zwei Tage die Hauptabteilungsleiter im pannonischen Herbst versammelte. Obwohl die Budgetvorgaben für die laufenden Verhandlungen das genaue Gegenteil von ergiebig sind, jedenfalls jene, die man tatsächlich für Programm lockermachen kann. Nun muss die Fülle des Wollens an die Realitäten des Könnens angepasst werden.

Das könnte zum Beispiel bedeuten: Ein Großprojekt aus Alexander Wrabetz' Bewerbung für eine dritte Amtszeit als ORF-General, eine tägliche Infoshow im oder um den Hauptabend von ORF 1, dürfte wohl noch länger ein Großprojekt bleiben, jedenfalls in der Form. Und länger meint, naturgemäß, vielfach länger als diese Woche.

Vorerst Leider-Nein-General

Diese Woche könnte freilich langsam Klarheit bringen, wohin sich Zechners Direktionskollege und, vorerst, Leider-Nein-Generaldirektor Richard Grasl vom Küniglberg aus aufmacht: Schon Ende Oktober, sagen viele im ORF, dürfte sich Grasl aus dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk verabschieden. Dieser Tage würde er seinen neuen Vertrag unterschreiben.

foto: apa/georg hochmuth
Abgang vom Küniglberg nach der Generalswahl im August: Richard Grasl.

Gemunkelt wird schon lange über die weite Welt von Raiffeisen und eine durchaus ordentliche Dotierung dieser Lebenswelt, etwa in der Gegend des "Kurier". Was sagen Menschen, die es wissen sollten, zu Ende Oktober und neuem Vertrag? "Alles im Fluss." Jedenfalls noch am vergangenen Freitag.

Da tut sich was

Wo wir schon an der Jobbörse handeln – und munter am Spekulieren sind: In dieser Woche könnte sich, sagen Branchenkenner, durchaus Maßgebliches in jener Branche tun, die für einen der allergrößten Teile der Medienfinanzierung steht. Ja, es geht um Werbung – und auch in Medien und Kultur bewegt sich was. Aber warten wir ab, was die Woche in dieser Branche so bringt.

Trommeln in Ljubljana

Wo wir schon bei der Werbung sind: Diese Woche werden, in der Burg ob Ljubljana, die Golden Drums vergeben; Werbepreise also für den ostmitteleuropäischen Raum.

Wir wünschen den teilnehmenden österreichischen Agenturen schon jetzt viel Glück in diesem Bewerb, natur- und erfahrungsgemäß haben sie das da aber ohnehin nicht nötig. (Harald Fidler, 17.10.2016)

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