Zehn Rapidler holen Rückstand gegen Altach auf

15. Oktober 2016, 20:22
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Nach schwerem Patzer der Grünen und der Führung für die Gäste traf Schößwendter erst in Schlussminuten einer emotionalen Partie zum 1:1-Ausgleich – Grahovac sah nach Tätlichkeit Rot

Wien – Rapid hat im Titelkampf der Fußball-Bundesliga weiter an Boden verloren. Die Hütteldorfer kamen am Samstag im Allianz Stadion gegen den SCR Altach über ein 1:1 nicht hinaus und liegen damit nach der elften Runde bereits elf Zähler hinter Tabellenführer Sturm Graz zurück. Der Rückstand des Vierten auf die zweitplatzierten Vorarlberger beträgt weiter drei Punkte.

EL-Generalprobe misslungen

Christoph Schößwendter bewahrte die Hütteldorfer mit einem Kopfballtor in der 89. Minute vor der dritten Pflichtspielniederlage in der Saison. Zu dem Zeitpunkt war die Büskens-Truppe nach Rot für Srdjan Grahovac (75./Tätlichkeit) in Unterzahl. Nach dem 1:1 in St. Pölten und dem 2:4 in Ried gab es zum dritten Mal in der Meisterschaft hintereinander keine drei Punkte. Und das gegen vermeintlich schwächere Gegner. Die Generalprobe für das Donnerstag-Duell mit Sassuolo in der Europa League sowie das folgende Wiener Derby mit der Austria haben sich die Wiener sicher anders vorgestellt.

Altach blieb demgegenüber wie auch schon im ersten Saisonduell, das knapp 1:0 gewonnen wurde, gegen Rapid ohne Niederlage. Den einzigen Treffer der Gäste vor 22.000 Zuschauern besorgte Nicolas Ngamaleu nach einem groben Schnitzer von Mario Pavelic (29.).

Altach machte die Räume geschickt eng und hatte damit Erfolg. Rapid dominierte zwar klar das Geschehen, es fehlten aber die Ideen, um den Abwehrriegel der Vorarlberger zu knacken. Die Gäste blieben in der Offensive eigentlich auch harmlos, nützten aber einen Patzer der Heimischen eiskalt aus.

Premierentreffer

Ngamaleu fing einen haarsträubenden Pass von Pavelic zum neben ihm postierten Schößwendter ab und schloss mustergültig an Goalie Richard Strebinger vorbei ab (29.). Der Kameruner sorgte damit für den Premierentreffer eines Liga-Auswärtsteams im neuen Allianz Stadion. Die Verunsicherung der Hütteldorfer aufgrund des Negativlaufs in der jüngsten Zeit war danach deutlich zu spüren und beinahe hätten die Altacher kurz vor dem Pausenpfiff noch nachgelegt. Ein Oberlin-Abschluss fiel allerdings zu schwach aus (45.).

Pfeifkonzert

Die Rapid-Anhänger drückten ihren Unmut mit einem Pfeifkonzert aus. Gleich nach Wiederbeginn erlebten diese neuerlich eine Schrecksekunde. Nach einem weiten Ball narrte Dimitri Oberlin die gesamte Rapid-Abwehr, krönte seine Einzelleistung aber nicht mit einem Treffer, sondern schoss aus zehn Metern und guter zentraler Position daneben (47.).

Die Wiener hatten neuerlich deutlich mehr Ballbesitz, bisschen sich aber weiter die Zähne an den Vorarlbergern aus. Die agierten weiterhin beherzt, extrem zweikampfstark und lauerten immer wieder auf Konter. Das 2:0 lag das eine oder andere Mal in der Luft, auch da Strebinger keinen guten Tag erwischte. Einen Schreiner-Schuss konnte der 23-Jähriger nur mit viel Glück parieren (59.), bei einem Lienhart-Freistoß verschätze er sich gehörig, die Situation wurde aber wegen Abseits abgepfiffen (65.).

Kurz zuvor hatten sich die Wiener die erste Topchance erspielt. Joelinton verschaffte sich schön im Strafraum Platz, bei seinem Abschluss in der 61. Minute machte sich Altach-Tormann Andreas Lukse aber lang. Mike Büskens versuchte mit der Hereinnahme von Arnor Ingvi Traustason für Thomas Murg für frischen Wind zu sorgen, doch der Isländer konnte sich nicht entscheidend in Szene setzen.

Hitzige Atmosphäre

Das Gefährlichste war lange Zeit ein Freistoß von Stefan Schwab, den Lukse glänzend parierte (68.). Die Schlussphase war dann aber noch einmal richtig turbulent. Schiedsrichter Christopher Jäger zeigte Grahovac wegen einer Tätlichkeit an Louis-Ngwat Mahop die Rote Karte (74.) – eine harte Entscheidung. Die Stimmung auf dem Platz war in der Folge aufgeheizt. Und Rapid drückte trotzt numerischer Unterlegenheit. Lukse war aber vorerst nicht zu bezwingen. Der in der 77. Minute für den enttäuschenden Louis Schaub eingewechselte Giorgi Kvilitaia scheiterte nach Idealzuspiel aus elf Metern am 28-Jährigen (82.).

Auch bei einem Schößwendter-Kopfball war Lukse auf dem Posten (88.). Eine Minute später musste er aber doch hinter sich greifen. Diesmal war der Altach-Goalie gegen einen Kopfball von Rapids Innenverteidiger nach Schwab-Vorarbeit machtlos. Danach wäre beinahe für die Hausherren noch mehr möglich gewesen, sie sind damit zu Hause in der Liga weiter unbesiegt. Das war aber wenig zufriedenstellend, hatte doch Sportdirektor Andreas Müller vor der Partie klipp und klar gesagt: "Wir müssen jetzt Ergebnisse liefern." (APA, 15.10.2016)

Bundesliga – 11. Runde:

SK Rapid Wien – SCR Altach 1:1 (0:1)
Wien, Allianz Stadion, 22.000, SR Jäger

Torfolge:
0:1 (29.) Ngamaleu
1:1 (89.) Schößwendter

Rapid: Strebinger – Pavelic, Schößwendter, Dibon, Schrammel – Grahovac, Schwab – Schaub (77. Kvilitaia), Szanto, Murg (63. Traustason) – Joelinton

Altach: Lukse – Lienhart, Jäger, Netzer, Galvao, Schreiner (90. Schilling) – Prokopic, Ngwat-Mahop, Luxbacher (75. Salomon) – Ngamaleu, Oberlin (84. Zivotic)

Rote Karte: Grahovac (75./Tätlichkeit)

Gelbe Karten: Grahovac, Schwab, Joelinton bzw. Schreiner, Jäger

Stimmen

Mike Büskens (Rapid-Trainer): "Wir hatten in der Anfangsphase eine vernünftige Kontrolle über das Spiel, dann haben wir den Gegner mit dem Gegentor beschenkt. Dadurch sind wir in eine Situation gekommen, die die Mannschaft nervös gemacht hat. Altach hatte dann einen guten Zugriff auf unser Spiel. Wenn Oberlin gleich nach der Pause getroffen hätte, wäre das Spiel vielleicht entschieden gewesen. Aber die Mannschaft wollte immer, sie hat großartige Moral gezeigt und ist dann auch noch in Unterzahl auf das 2:1 gegangen. Das müssen wir als Positives mitnehmen. Die Tabelle stellt uns nicht zufrieden, genauso wenig wie sie Salzburg zufriedenstellen wird."

Damir Canadi (Altach-Trainer): "Wir haben es Rapid schwer gemacht, Chancen zu kreieren und sind durch ein Geschenk in Führung gegangen. Zwischen der 40. und 60. Minute hätten wir das Spiel entscheiden müssen, aber ich kann meiner Mannschaft nur gratulieren. Ich bin sehr stolz wie sie Rapid in Schach gehalten hat."

  • Srdjan Grahovac sieht Rot. Die Nerven lagen bei den Grün-Weißen phasenweise blank.
    foto: apa/georg hochmuth

    Srdjan Grahovac sieht Rot. Die Nerven lagen bei den Grün-Weißen phasenweise blank.

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