Van der Bellens "väterliche Milde" in der Stahlstadt

14. Oktober 2016, 18:40
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Zwischenstopp der Tour des Präsidentschaftskandidaten Alexander Van der Bellen in Linz: Ansturm auf den Professor

Linz – Man hat an diesem Freitagnachmittag an der Ecke Spittelwiese und Landstraße die liebe Not, die kleinen Stehtische entsprechend rasch wieder mit den zahlreichen Wahlzuckerln zu bestücken: Gummibärli, Öbama-Buttons, Autogrammkarten. All das findet an diesem sonnigen Herbsttag in Linz reißenden Absatz.

"Schau, der Mann auf der Packung, ist der dort", frohlockt eine junge Mutter und versucht ihren Nachwuchs in eine bessere Sichtposition zu manövrieren. Vergeblich. Der Ansturm auf den Präsidentschaftskandidaten Alexander Van der Bellen ist zu groß. Gut, im Falle des Kleinkindes war wahrscheinlich tatsächlich der Inhalt wichtiger als das freundliche Gesicht auf der Zuckerlpackung.

Alle in Selfie-Laune

Entschieden anders verhielt es sich bei jenen, die den stets geduldig lächelnden Professor bestürmten. Auffallend viele junge Menschen fanden sich darunter. Das Handy griffbereit und in Selfie-Laune. Weniger schien es dabei um große politische Diskussion zu gehen.

"Ganz einfach – sehen will ich den Alexander Van der Bellen", bringt es eine Dame auf den Punkt. Unmittelbar daneben hält ein junger Mann sein Smartphone triumphierend in die Höhe: "Mit dem Foto kann ich morgen in der Schule angeben." Und Alexander Van der Bellen lächelt.

Mit Stift und Lächeln

Es sei "eben diese ruhige Art", erklärt eine junge Frau, die zwischen den zahlreichen Einkaufstaschen nach einem Stift sucht. Doch schon eilt der Professor herbei – mit Stift und einem Lächeln. Die Frau fühlt sich bestätigt: "Sehen Sie, das ist diese väterliche Milde."

Von der viel beklagten Politikverdrossenheit ist an diesem Freitag angesichts der zahlreichen Besucher nichts zu spüren. Und auch möglicher Ärger über Wahlanfechtung, Wiederholung und Verschiebung ist kaum spürbar. Vielleicht ein wenig Unverständnis. "Verstanden habe ich die Wahlwiederholung nicht. Aber bitte, es ist halt jetzt so", erklärt der Günther Waldhör aus Linz. Und spannender sei es jetzt geworden: "Vorher haben viele eine klare Position bezogen – entweder Van der Bellen oder Hofer. Jetzt outet sich kaum wer."

Besuch beim Streetfood-Festival

Alexander Van der Bellen nutzt dann in Linz noch die Gunst der Gourmet-Stunde und stattet dem Streetfood-Festival im Schillerpark einen Besuch ab. Und auch beim Stehmenü auf Straßenniveau erntet der Professor viel Applaus. Und lächelt zufrieden: "Der Zuspruch ist enorm, gerade von jungen Menschen. Daraus schöpfe ich die Kraft für den Wahlkampf."

Und umgekehrt scheint so manch junger Fan im Gespräch mit Alexander Van der Bellen die Kraft für die Überbrückung der Zeit bis zum Wahlalter zu schöpfen. Auf die vorsichtige STANDARD-Frage, was einen so jungen Menschen an Van der Bellen fasziniere, kommt die euphorische Antwort des 12-jährigen Lukas: "Wast', i' bin so links, des kannst du dir gar net vorstellen." (Markus Rohrhofer, 14.10.2016)

  • Alle wollen ein Bild mit dem Professor: Van der Bellen erträgt es freundlich-väterlich.
    foto: rohrhofer

    Alle wollen ein Bild mit dem Professor: Van der Bellen erträgt es freundlich-väterlich.

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