Frischer Wind in serbisch-albanischen Beziehungen

14. Oktober 2016, 15:52
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Gemeinsame Wirtschaftskammer mit Sitz in Tirana gebildet

Belgrad/Tirana/Prishtina – In den Beziehungen zwischen Belgrad und Tirana scheint dieser Tage ein frischer Wind zu wehen. Bei einem ersten Treffen von Geschäftsleuten aus Albanien und Serbien, dem im südserbischen Nis am Freitag auch die Regierungschefs der zwei Staaten, Edi Rama und Aleksandar Vucic, beiwohnten, wurde eine gemeinsame Wirtschaftskammer gebildet. Ihren Sitz soll sie in Tirana haben.

Eigentlich sind die Wirtschaftsbeziehungen zwischen den zwei Staaten noch recht bescheiden. Das Handelsvolumen im ersten Halbjahr belief sich nämlich auf nur 77,8 Mio. Euro. Mit dem Export im Wert von 60,5 Millionen Euro konnte Serbien dabei einen beträchtlichen Überschuss verbuchen.

Bei den nun geförderten bilateralen Kontakten geht es aber nicht nur um die Wirtschaft. Vielmehr erhofft man sich, dass die serbisch-albanischen Beziehungen auch zur Normalisierung der Beziehungen zwischen Serbien und dem Kosovo, wo Albaner eine klare Bevölkerungsmehrheit stellen, beitragen dürften.

Immerhin kein Wutausbruch

Der Standpunkt Serbiens und Albaniens zum Kosovo ist entgegengesetzt. Belgrad lehnt die Unabhängigkeit seiner einstigen Provinz ab, Tirana plädiert für ihre möglichst rasche Anerkennung.

Als Albaniens Premier Edi Rama am Donnerstag in Belgrad erneut diesen Standpunkt wiederholte, hatte dies bei seinem Gesprächspartner, Premier Vucic, keinen Wutausbruch ausgelöst, wie dies bei einem ersten Besuch Ramas vor zwei Jahren der Fall war. Vucic stellte lediglich fest, dass es eben Fragen gebe, über die man sich nicht einigen könne. Eine weitere Förderung der bilateralen Beziehungen würde zur gesamten Stabilität des Westbalkans beitragen, was im gemeinsamen Interesse wäre, unterstrich Vucic.

Die EU-geleiteten Normalisierungsgespräche zwischen Belgrad und Prishtina stecken unterdessen wieder einmal in der Sackgasse. Anlass lieferten offene Telekommunikationsfragen, die kürzlich im Kosovo vorgenommene Verstaatlichung des Trepca-Bergbaukomplexes , auf den auch Belgrad Ansprüche erhebt, aber auch die Festnahme eines kosovarischen Polizeifunktionärs in Serbien. Belgrad beschuldigt Nehat Thaci, im Juli 1999 an der Vertreibung einer serbischen Familie aus dem Kosovo beteiligt gewesen zu sein. Thacis kürzliche Festnahme erfolgte überraschend. Seit dem Ende des Kosovo-Krieges soll er sich nämlich wiederholt in Serbien aufgehalten haben. (14.10.2016)

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