Der Pussy-Bär greift zu

Kolumne14. Oktober 2016, 14:46
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Lehren aus einem gamprigen US-Wahlkampf

Tut Donalds Mund Wahrheit kund? Das ist hier die Frage. Fakt ist jedenfalls, dass momentan ganz Amerika in einem inhaltlich hochwertigen Präsidentschaftswahlkampf über das Theorem des New Yorker Hochhäuslbauers debattiert, wonach man Frauen ungestraft an die "Pussy" langen kann, sofern man nur ein Star ist.

Sollte Trump recht haben, dann verhielte es sich so, dass Langzeitarbeitslose, Lumpensammler und ähnlich geartete Lulus beim Ausgreifen eher die Arschkarte gezogen haben, während Alphamännchen wie George Clooney oder Brad Pitt einen dezidierten Fummelbonus genießen. Eine Frage der gesellschaftlichen Chancenungleichheit, die bisher noch keineswegs ausreichend dargestellt wurde!

Fakt ist auch, dass man eigentlich glauben würde, dass der republikanische Präsidentschaftskandidat und Pussy-Bär mit seiner an den Marquis de Sade erinnernden Redeweise seine frommen Anhängerinnen und Anhänger aus der christlichen Rechten vor Probleme stellt. "Muschi" und "Titten" sind schließlich nicht unbedingt das Vokabular, das man zum Sonntagsgottesdienst mitbringt.

Echte Probleme gibt es aber zum Glück nicht. Eine Dame aus der Interessengruppe "Women for Trump" entschuldigte den Donald damit, dass sie von ihren minderjährigen Söhnen ebenfalls Ungeheuerliches zu hören bekommen habe, somit also dessen Äußerungen in eine nicht weiter aufregende Tradition virilen Unflats einzureihen seien. Motto: Boys will be boys! Wem sagt sie das! Kennt doch auch der Krisenkolumnist keine größere Freude als Anlässe, die es ihm erlauben, unauffällig ein paar lüsterne Vokabeln in diesem Geviert unterzubringen.

Keusche Puritaner, die damit beginnen, das Treiben alter Hurenböcke zu verteidigen: Wir bewegen uns offenbar nicht mehr nur in einer postfaktischen, sondern in einer postlogischen und neosurrealistischen Politära.

Vielleicht macht dieses amerikanische "Anything goes" auch bei uns Schule. Dann werden wir es mit seltsamen Wahlkämpfen zu tun bekommen: Grüne gegen Umweltschutz; die fromme Volkspartei für staatliche Förderung der österreichischen Swingerkultur; die SPÖ für die Wiedereinführung der Sklaverei. Und wenn es ganz bizarr hergeht, präsentiert sich dann noch die FPÖ als eine Partei der Anständigen und Fleißigen. (Christoph Winder, Album, 14.10.2016)

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