Klimazonen klettern die Berge hoch

14. Oktober 2016, 13:15
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Forscher werten Temperatur- und Niederschlagsmessungen von mehr als 200 Orten im Alpenraum seit Beginn des 19. Jahrhunderts aus

Wien – Wo in den Bergen früher das ganze Jahr Schnee lag, ist nun oft Grasland, und wo Gras war, wächst jetzt teils Wald – die Klimazonen sind in den Alpen seit 1800 flink nach oben gewandert und werden es im 21. Jahrhundert weiter tun, erklärte der Meteorologe Franz Rubel am Freitag bei einer Konferenz in Wien. Dies hat er mit Kollegen mit einem einzigartigen historischen Klimadatensatz herausgefunden.

Daten aus zwei Jahrhunderten

Der Datensatz HISTALP ("Historical Instrumental Climatological Surface Time Series of the Greater Alpine Region") umfasst Temperatur- und Niederschlagsmessungen von mehr als 200 Orten im Alpenraum seit über 200 Jahren. Unter der Leitung von Ingeborg Auer von der Abteilung für Klimaforschung der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) wurden die teilweise schon in der Monarchie systematisch gesammelten und handschriftlich niedergeschriebenen Daten digitalisiert und angepasst, wenn zum Beispiel Instrumentenwechsel oder die Verlegung von Stationen für Unregelmäßigkeiten sorgten.

Mit diesen lückenlosen Daten seit 1800, die mit acht Kilometern Auflösung ein sehr enges Netz bilden, hat ein Team um Rubel und Auer nun die Lage der Klimastufen (nach Köppen-Geiger) in den Alpen seit 1800 rekonstruiert und mit Modellen errechnet, wie sie sich bis 2100 verschieben werden.

Kälte auf dem Rückzug

"Die Alpen sind ein Rückzugsgebiet für das kalte, boreale Klima im warm gemäßigten Klima, das in Europa vorherrscht, doch es wurde über die Jahrzehnte stetig zurückgedrängt", sagte Rubel, der am Institut für öffentliches Veterinärwesen der Veterinärmedizinischen Universität Wien forscht, am Rande der Konferenz.

Die Waldgrenze war zum Beispiel bis 1900 noch im Alpen-Durchschnitt bei 1.730 Metern Seehöhe, im Jahr 2000 lag sie bei 1.880 Metern und bis 2100 wird sie je nach dem globalen Treibhausgasausstoß auf 2.120 bis 2.820 Meter klettern. "Auch die Schneegrenze wird vom Jahr 1900 bis 2100 um mindestens 450 Meter ansteigen", erklärte er. Bei einem pessimistischen Klimaszenarium sogar um 1.040.

Was diese Veränderungen für die Pflanzen- und Tierwelt in den Alpen bedeutet und wie gut oder schlecht sie in Zukunft damit umgehen können, sei unklar. "Mit diesem Klimadatensatz und unseren Modellen haben wir jetzt aber wirklich gute Werkzeuge zur Verfügung, um dies zu untersuchen", so der Wissenschafter. Die HISTALP-Daten sind frei verfügbar und stehen auf www.zamg.at/histalp zum Download zur Verfügung. (APA, 14. 10. 2016)


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HISTALP

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