Dutzende Kinder bei Flucht vor IS im Nordirak getötet

14. Oktober 2016, 05:37
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Organisation: Familien ohne Wasser und in verminten Gebieten unterwegs

Kirkuk – Auf der Flucht vor Jihadisten des "Islamischen Staats" sind im Nordirak nach Angaben der Organisation Save the Children dutzende Kinder getötet worden. Viele Kinder seien in den vergangenen Tagen verdurstet, auf gefährlichen Wanderwegen ums Leben gekommen oder von versteckten Sprengsätzen getötet worden, erklärte die Organisation am Donnerstag.

Sie waren demnach mit ihren Familien in Hawija in der Provinz Kirkuk auf der Flucht vor dem IS. Save the Children berichtete unter anderem von einer fünfköpfigen Familie, die zwei Kinder wegen der Explosion von Sprengsätzen verloren habe. Sie konnten aus Angst vor weiteren versteckten Minen die Leichen der Kinder nicht bergen. Hawija wird seit 2014 vom IS kontrolliert.

Die irakischen Streitkräfte bereiten sich derzeit auf eine Offensive auf die nördliche IS-Hochburg Mossul vor. Zugleich könnte dabei versucht werden, Hawija vom IS zurückzuerobern. Die Uno befürchtet dabei eine humanitäre Krise und schätzt, dass bis zu eine Million Menschen vor den Kämpfen fliehen könnten.

Hilfsorganisationen warnen vor neuem Drama

Hilfsorganisationen warnen vor einem neuen Flüchtlingsdrama im Zuge der geplanten Offensive. Das Flüchtlingshilfswerk UNHCR rechnet mit bis zu 700.000 Menschen, die fliehen und auf humanitäre Hilfe angewiesen sein könnten.

Bisher gebe es in Notfalllagern Plätze für rund 51.000 Menschen, sagte der Sprecher der Hilfsorganisation Norwegian Refugee Council, Karl Schembri, der Deutschen Presse-Agentur. Im Bau oder in Planung seien Notfalllager für rund 230.000 Menschen. "Das ist eine riesige Lücke", sagte Schembri. "In dem Moment, in dem ein solcher Strom von Menschen kommt, wird die Lage chaotisch werden." Einige Notfalllager seien ungeeignet, weil sie zu nahe an der Front lägen und deswegen für Helfer nicht zu erreichen seien.

Hilfe im Irak chronisch unterfinanziert

Zudem sei die humanitäre Hilfe im Irak chronisch unterfinanziert. "Seit Jahren haben wir dort Hunderttausende Vertriebene, aber nicht genug finanzielle Mittel", sagte Schembri. "Der Irak wird nur als Sicherheitsfrage wahrgenommen." Der UNHCR benötigt für die Versorgung der Mossul-Flüchtlinge nach eigenen Angaben umgerechnet 180 Millionen Euro, hat davon aber bisher nur rund ein Drittel erhalten.

Mossul ist die letzte Bastion des IS im Irak. Derzeit formiert sich in der Region eine Allianz, die die Stadt befreien will. Beobachter halten einen Beginn der Offensive noch in diesem Monat für möglich. (APA, AFP, 14.10.2016)

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