DNA von NSU-Terrorist Böhnhardt bei Leiche von Neunjähriger gefunden

13. Oktober 2016, 19:57
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Das Mädchen Peggy war 2001 spurlos verschwunden, 2016 fand ein Wanderer die Leiche der Neunjährigen – Zusammenhang zwischen NSU und Mord an dem Mädchen noch unklar

Die neunjährige Peggy verschwand 2001 im oberfränkischen Lichtenberg spurlos. Nun berichtet "Spiegel online", dass an einem Gegenstand am Fundort der 2016 gefundenen sterblichen Überreste des Mädchens die DNA-Spuren des mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt gefunden wurden. Zuvor war über Spuren direkt am Skelett des Mädchens berichtet worden. Das hat die Staatsanwaltschaft Bayreuth aber zurückgewiesen.

Weiterer ungeklärter Mordfall wird überprüft

Wegen der Entwicklung im Fall Peggy lässt Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow die Akten eines anderen Kindsmordes komplett neu prüfen. "Es gab einen Tod eines neunjährigen Kindes in den neunziger Jahren in Jena und da war Herr Böhnhardt und sein Name schon einmal im Visier und das müssen wir alles viel, viel gründlicher betrachten", sagte der Linken-Politiker am Freitag in Berlin. Der Jenaer Fall ist bis heute nicht aufgeklärt.

Böhnhardt war Mitglied des rechtsextremen Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU), der zwischen 2000 und 2010 bestand und für die Ermordung von zehn Menschen verantwortlich war. Böhnhardt beging vor seiner Ergreifung gemeinsam mit Uwe Mundlos, ebenfalls NSU-Mitglied, Selbstmord. Was der DNA-Fund für den Fall bedeutet, ist nicht klar.

Aufgehobene Verurteilung

Bereits 2004 gab es eine – mittlerweile wieder aufgehobene – Verurteilung im Fall Peggy. Das Landgericht Hof sprach damals den geistig beeinträchtigten Ulvi K. des Mordes schuldig. Er soll das Mädchen ermordet haben, um einen sexuellen Missbrauch zu vertuschen. K. hatte die Tat 2002 gestanden, wenige Monate später diese Aussage aber wieder zurückgezogen. Seit seiner Verurteilung war er in einer psychiatrischen Einrichtung untergebracht.

Im Jahr 2013 ordnete das Berufungsgericht in Bayreuth die Wiederaufnahme des Falls wegen Unregelmäßigkeiten an. Das Geständnis von K. und die vermutete Tatversion der Polizei wären einander zu ähnlich gewesen. Außerdem gab ein Belastungszeuge zu, eine Falschaussage getätigt zu haben. Die Verurteilung K.s wurde im Mai 2014 aufgehoben.

Welcher Zusammenhang zwischen dem Mordfall Peggy und dem NSU besteht, ist derzeit noch offen. Wie zeit.de berichtet, ist im NSU-Prozess gegen die Hauptangeklagte Beate Zschäpe immer wieder gerätselt worden, warum im Campingwagen von Böhnhardt und Mundlos Kinderspielzeug gefunden wurde. (red, 13.10.2016)

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