Neues Sicherheitsnetz für junge Erfinder

13. Oktober 2016, 17:54
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Start-ups können Patente künftig schneller und günstiger anmelden. Bisher tappten viele beim Schutz ihrer Ideen in Fallen. Weniger als zehn Prozent der Patente schaffen auf dem Markt den Durchbruch

Wien – Jörg Leichtfried bereiste jüngst das Silicon Valley, traf dort österreichische Jungunternehmer und kehrte als Zerrissener aus Kalifornien zurück. So schön der Erfolg der Österreicher im Ausland sei, sinniert der Infrastrukturminister der SPÖ, "warum tüfteln sie nicht bei uns, warum gründen sie nicht hier ihre Betriebe?"

Geht es nach ihm, soll sich in Zukunft kein Start-up mehr dazu gezwungen fühlen, Österreich zu verlassen. Die Politik greift dafür Gründern mit zusätzlich 60 Millionen Euro unter die Arme. Teil des Pakets ist ein schnellerer und günstigerer Schutz von Patenten.

Billig anmelden

Jungunternehmer können ihre Innovationen nun beim Patentamt provisorisch anmelden. Die Erfindung ist damit zu einem Preis von 50 Euro ein Jahr lang geschützt – auch wenn nicht alle Details ausgearbeitet sind, wenn etwa zwar Skizzen, aber noch keine technischen Zeichnungen vorliegen.

Ein neuer Patent-Scheck in Höhe von jeweils 10.000 Euro entlastet Start-ups zu 80 Prozent von Kosten, die rund um die Anmeldung von geistigem Eigentum anfallen. Damit lassen sich Patentanwälte und die weltweiten Recherchen bezahlen, die nötig sind, um die Chance auf ein Patent prinzipiell abzuklären. Und innerhalb von zwei Wochen soll es ab sofort auch möglich sein, sich eine eigene Marke zu sichern.

Selbst abgeschossen

Mariana Karepova, Präsidentin des Patentamts, sieht Gründer immer wieder in Fallen tappen. Etwa wenn sie sich ihre Ideen klauen lassen. Erst kürzlich seien Medizintechnikspezialisten an der Patentanmeldung gescheitert: Diese hätten sich das Patent durch eine öffentliche Präsentation ihres Produktes vorab selbst abgeschossen, erzählt sie aus der Praxis. Karepova spricht von einem Dilemma, in dem viele Start-ups steckten: Sie müssten Innovationen der breiten Öffentlichkeit schmackhaft machen, riskierten zugleich aber, von Konkurrenten kopiert zu werden.

Es gibt genug Firmen, die nichts anderes tun, als fremde Ideen zu suchen, die sie günstiger und rascher umsetzen können, warnt Fabian Gutbrod, der sich mit nachrüstbaren Elektroantrieben für E-Bikes selbstständig machte.

Recherche wichtig

Der Chef von Add-e rät bei der Finanzierung von massentauglichen Produkten zu Crowdfunding – ohne Schutz durch Patente könne das Ganze aber gefährlich werden. Sein erster Anlauf zu einer Anmeldung misslang aufgrund unzureichender Recherchen. Karepova hofft nun, dass dies künftig immer seltener passiert.

Lob für das neue Paket kommt von Walter Wagner, Präsident des Erfinderverbandes. Sein Resümee fällt dennoch nüchtern aus. Weniger als zehn Prozent aller Patente, die angemeldet seien, ließen sich auf dem Markt tatsächlich erfolgreich nutzen, sagt er. Österreich habe sich in Sachen Erfindergeist im internationalen Vergleich verschlechtert, wie Innovationsrankings belegten, ergänzt er. In Europa allen mit Abstand voraus seien die Schweizer und Skandinavier. (Verena Kainrath, 13.10.2016)

  • Die Umsetzung guter Ideen ist ein heikler Balanceakt. Wer sie publik macht, riskiert, von Trittbrettfahrern kopiert zu werden. Aber auch zu viel Diskretion schadet dem Geschäft.
    foto: ap/laurent gillieron

    Die Umsetzung guter Ideen ist ein heikler Balanceakt. Wer sie publik macht, riskiert, von Trittbrettfahrern kopiert zu werden. Aber auch zu viel Diskretion schadet dem Geschäft.

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