Suizid in der Zelle: Schaden für Deutschland

Kommentar13. Oktober 2016, 17:58
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Der Staat hat versagt, das Vertrauen in die Justiz ist beschädigt

Blamage, Fehleinschätzung, Skandal, Fiasko – die Liste der wenig schmeichelhaften Bezeichnungen für das, was sich in der Justizvollzugsanstalt Leipzig zugetragen hat, ist lang. Ein Terrorverdächtiger erhängt sich vor den – geschlossenen – Augen der Aufseher.

Es war ihm möglich, weil er wie ein Kleinkrimineller behandelt wurde und nicht wie ein Staatsfeind, dem man vielleicht besondere Aufmerksamkeit schenken sollte. Weil bei ihm, der nach Angaben der Sicherheitsbehörden an einer Bombenweste baute, keine Suizidgefährdung festgestellt und er daher nicht in einem besonders gesicherten Haftraum untergebracht wurde.

Egal, was der Mann nun tatsächlich vor hatte: Er stand unter Aufsicht des Staates, und dieser hat versagt. Dazu kommt ein Schaden, der weit über diese Tragödie hinausgeht. Die für die Sicherheit Verantwortlichen, von Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) abwärts, werden nicht müde zu betonen, dass in Deutschland eben noch kein so verheerender Terroranschlag passiert sei, weil die Behörden so gut und effizient arbeiten.

Daran durfte man nach der Verhaftung des Verdächtigen schon Zweifel haben – immerhin waren es Landsleute, die ihn der Polizei geliefert haben, nachdem ihr selbst der Zugriff misslang. Doch nach dem Suizid, der eine Befragung unmöglich macht, ist dieses Vertrauen schwer beschädigt – nicht nur in Sachsen, sondern in ganz Deutschland. (Birgit Baumann, 13.10.2016)

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