Roberto Cavalli schneidert Sparkorsett

13. Oktober 2016, 17:36
1 Posting

Wiener Boutique wird geschlossen, knapp ein Drittel der Belegschaft gekündigt

Der exzentrische Designer Roberto Cavalli muss den Gürtel enger schnallen und schließt seine Nobelboutique in Wien. Der erst 2013 im "Goldenen Quartier" der Innenstadt eingeweihte Flagship-Store entspreche nicht den Standards was Gewinn und Dimensionen betreffe, teilte der neu ernannte Chef des Luxusmodehauses, Gian Giacomo Ferraris, mit. Zugesperrt werden auch die Geschäfte in Venedig und Mailand.

Schon im Vorjahr hatten weniger Käuferinnen und Käufer Gefallen an den Modellen des italienischen Luxuslabels gefunden, der Umsatz war um 14 Prozent auf 180 Millionen Euro gesunken. Für heuer wird ein weiterer Umsatzrückgang auf 145 Mio. Euro und ein neuerlicher operativer Verlust erwartet. In Folge soll bis Jahresende 2017 knapp ein Drittel der insgesamt 680 Beschäftigten abgebaut werden, die Büros von Mailand in die Provinz Florenz verlagert, bei Produktion und Logistik eingespart werden.

Nachlassende Kaufkraft der russischen Kunden

Als Gründe für das wirtschaftliche Desaster werden unter anderem die nachlassende Kaufkraft der russischen Kunden sowie schwindendes Interesse bei den "Royalties" ins Feld geführt. Ob auch der Weggang des norwegischen Chefdesigners Peter Dundas nach nur eineinhalbjähriger Zusammenarbeit damit zusammenhängt, ist nicht bekannt.

Ferraris, der bis Juli Konkurrent Versace leitete, will 2018 wieder in die Gewinnzone kommen. Der neue Chef ist überzeugt, dass der 2015 vom italienischen Finanzinvestor Clessidra zu 90 Prozent übernommene Couturier Wachstumspotential hat und dementiert jegliche Verkaufsabsichten. Der 76-jährige Firmengründer Roberto Cavalli, der weiterhin zehn Prozent hält, ist seit 1980 mit der Österreicherin Eva Maria Düringer verheiratet. Gemeinsam haben sie drei Kinder.

Nicht nur bei Cavalli kriselt es. Mehrere Investmentbanken haben kürzlich die Geschäftsaussichten für den Mailänder Modekonzern Prada und das Florentiner Modehaus Salvatore Ferragamo heruntergeschraubt. Versace verschob jüngst den für 2017 geplanten Börsengang. Sinkende Exporte nach China, wachsende Kosten im Inland, eine gewisse Modemüdigkeit der Verbraucher sowie nachlassendes Interesse an superteurer Designermode verdüstern Italiens Modewelt. (Thesy Kness-Bastaroli aus Mailand, 13.10.2016)

Share if you care.