Tiroler Oberland: Streit um Tunnellösungen auf Fernpassroute

14. Oktober 2016, 10:58
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Touristiker pochen auf Ausbau der Strecke, Experten sehen darin wenig Sinn

Innsbruck – Die Fernpassstrecke im Tiroler Oberland gilt seit Jahrzehnten als verkehrstechnisches Nadelöhr. Die Route verbindet das Inntal bei Imst mit Deutschland beim Grenzübergang Füssen. An Spitzentagen frequentieren bis zu 30.000 Fahrzeuge den Fernpass und sorgen für Stillstand auf der zweispurigen Straße.

Seit mehr als drei Jahrzehnten wird über eine Lösung des stetig wachsenden Verkehrsproblems diskutiert. Seitens des Tourismus wird das Thema nun wieder forciert. Denn im Ötztal sowie im Pitztal steht der Zusammenschluss der beiden Gletscherskigebiete an, und die Touristiker beider Täler rechnen mit 15 Prozent mehr Gästen, die hauptsächlich aus Deutschland kommen.

Transitprobleme

Auch nördlich des Inntals sprechen sich Hoteliers wie Josef Falkner, der zugleich Präsident der Tiroler Tourismus-Vereinigung ist, für den Tunnelbau aus: "Wir haben wegen des Verkehrs massive Probleme mit den Gästen." Dass auf deutscher Seite neben der Autobahn A7 bald auch die noch in Bau befindliche A95 Verkehr an den Fernpass bringt, verschärfe die Situation.

Seitens der Wirtschaftskammer Tirol spricht sich Josef Ölhafen, Spartengeschäftsführer Transport und Verkehr, für eine rasche Lösung aus: "Wir stehen voll hinter dem Ausbau. Denn auch Gewerbe und Industrie im Oberland leiden unter der jetzigen Situation." Dass die diskutierten Tunnellösungen "nicht das Gelbe vom Ei sind", sei ihm klar. Dennoch müsse "rasch etwas passieren". Wobei er selbst unsicher sei, welche Variante die beste wäre.

Vier Tunneloptionen

Denn mittlerweile gibt es vier Tunneloptionen, die teils für sich allein, teils in Kombination angedacht wurden. Und jüngst ließ Landeshauptmann Günther Platter mit der Ankündigung aufhorchen, den Fernpass-Scheiteltunnel sowie den Tschirgant-Tunnel realisieren zu wollen. Das darf angesichts der anstehenden Landtagswahlen im Frühjahr 2018 als Wahlkampfrhetorik gewertet werden. Denn im Verkehrsministerium steht man beiden Vorhaben ablehnend gegenüber: "Wir haben mit Landeshauptmann Platter bislang nur über den Tschirgant-Tunnel gesprochen und sehen dieses Projekt kritisch, da es eine neue Transitroute eröffnen würde."

Auch Landesumweltanwalt Johannes Kostenzer hält wenig von den Tunnelplänen: "Sowohl die Erfahrung als auch ein aktuelles Gutachten zeigen, dass ein Ausbau der Strecke nur noch mehr Verkehr anziehen würde." Zwar sieht auch Kostenzer die Notwendigkeit der Entlastung der Anrainer. Tunnel würden diese jedoch nicht sicherstellen. (ars, 14.10.2016)

  • Ein Bild von einem Berg, manche wollen ihn durchbohren.
    foto: haneburger

    Ein Bild von einem Berg, manche wollen ihn durchbohren.

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