"Der österreichische Film": Noch mehr Perlen und Porträts

13. Oktober 2016, 16:20
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Fünfzehn Neuzugänge für die STANDARD-DVD-Edition

Wien – Es braucht schon einige Schritte, um die nebeneinandergestellten DVDs abzugehen. Wie viele solcher "Laufmeter" die STANDARD-Edition "Der österreichische Film" seit Mittwochabend exakt umfasst, ist schwer zu sagen. Auf der Bühne im Metro- Kinokulturhaus, in dem Herausgeber Georg Hoanzl die elfte Staffel der Edition präsentierte, fügten sich die jüngst erschienenen 15 neuen Ausgaben jedenfalls nahtlos an ihre Vorgänger. Um beim Wohnungsumzug die gesamte Sammlung zu transportieren, sollte man, wie der Wiener Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny in seiner Rede aus eigener Erfahrung anmerkte, jedenfalls genügend Zeit einplanen.

Denn der Kanon der österreichischen Filmgeschichte, der nicht als solcher geplant war und in den vergangenen zehn Jahren doch zu einem wurde, ist nunmehr auf 280 DVDs angewachsen, auf denen sich 387 heimische Filme finden. Von Dieter Berners Klassiker Alpensaga bis zum Zeitsprung des Filmkünstlers Wilhelm Gaube reicht die Auswahl, von der seit ihrer Einführung bereits 1,5 Millionen Stück verkauft wurden – eine Zahl, die auch im internationalen Vergleich beeindruckt.

Breitenwirksamkeit abgebildet

Die Breitenwirksamkeit des österreichischen Films spiegelt sich in der Auswahl der aktuellen Neuzugänge: Versiertes Genrekino wie Andreas Prochaskas Western Das finstere Tal findet sich neben Nikolaus Geyrhalters Über die Jahre, einer dokumentarischen Langzeitbeobachtung einer Waldviertler Textilfabrik. Die Wiederentdeckung von Wilhelm Hengstlers Drama Fegefeuer (1988) über Jack Unterweger steht hier neben Ulrich Seidls Paradies: Hoffnung. Avanciertes Autorenkino wie Ivette Löckers Stadtporträt Nachschichten reiht sich ein neben der filmhistorischen Perle Die große Liebe (1931), Otto Premingers einzigem österreichischen Film.

Seit wann starren Menschen auf Bilder? Schon immer, wie Michael Köhlmeier in seiner Rede anmerkte, in der er einen kulturhistorischen Bogen vom Höhlengleichnis Platons zur Kinoleinwand schlug – mit alternativem Ausgang, was als Frage nach der Wirklichkeit des Sichtbaren zu einem der erstaunlichsten und erfolgreichsten Filme der letzten Jahre führt, der nun ebenfalls die Edition schmückt: Veronika Franz' und Severin Fialas raffinierter Thriller Ich seh, ich seh. (pek, 13.10.2016)

  • Feine Selektion:  Michael Köhlmeier.
    foto: robert newald

    Feine Selektion: Michael Köhlmeier.

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