Trump und die Rache der "Pussys"

Kommentar13. Oktober 2016, 14:53
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Bei allen Skandalen und Enthüllungen könnte Donald Trump am Ende ausgerechnet an den Frauen scheitern

Trump und die Frauen, präziser: die Wählerinnen, das war schon immer ein schwieriges Verhältnis. Wer Trumps Aussagen seit seiner Ankündigung, für das Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten anzutreten, verfolgt hat, der konnte sich bereits in den vergangenen 15 Monaten ein Bild davon machen, was für eine Art Mann dieser Kandidat ist: ein vulgärer Sexist nämlich.

Klar war das bereits vor dem "Pussygate"-Video – also vor dem am Wochenende veröffentlichten Mitschnitt aus dem Jahr 2005, in dem Trump unter anderem damit prahlt, als Berühmtheit "alles" mit Frauen anstellen zu können, etwa ihnen ungefragt "an die Muschi zu greifen" ("to grab her by the pussy").

Es schlägt sich auch in der Prognose des Statistikgurus Nate Silver nieder, in der er errechnet hat, wie die Wahl ausgehen würde, wenn ausschließlich Männer respektive Frauen wählen würden: Demnach gewinnt Trump bei den Männern, Clinton bei den Frauen. Wobei der Vorsprung, den Clinton gegenüber Trump bei den Frauen hat, eklatant ausfällt. Nun ist es zwar traditionell ohnehin so, dass der Kandidat der Demokraten bei Frauen beliebter ist, Donald Trump aber schlägt alle Negativrekorde. In den Umfragen nach der Debatte holt Clinton immer mehr ein, sie liegt inzwischen in allen wichtigen Swing States vorne.

Kein Wunder also, dass seine Fans im Internet unter dem Hashtag #Repealthe19th fordern, Frauen das Wahlrecht zu entziehen, schließlich fahren ihnen diese ordentlich in die Parade. Die betroffenen Frauen reagierten wiederum – in Trumps Rhetorik verbleibend – im Netz mit dem Slogan: "Die Pussys grabschen zurück, und zwar am 8. November".

Dass in diesem Wahlkampf über Gender- und Sexismusfragen debattiert werden würde, war klar, seitdem feststand, dass die Amerikaner erstmals eine Frau zum Staatsoberhaupt wählen könnten. Nun aber diskutiert das Land wegen des männlichen Kandidaten und seines überholten Machoprinzips der Stärke und Männlichkeit.

Es birgt eine gewisse Ironie, dass der Kandidat mit dem Hang zu frauenverachtenden Aussagen am Ende bei allen Skandalen und Enthüllungen ausgerechnet an den Frauen scheitern könnte. (Anna Giulia Fink, 13.10.2016)

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