Großbritannien: Hauspreise steigen nur in London nicht

13. Oktober 2016, 12:02
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Immo-Markt hat Votum-Schock offenbar gut weggesteckt

Trotz weiter fallender Häuserpreise in London hat der britische Immobilienmarkt den Brexit-Schock insgesamt gut weggesteckt. Das entsprechende Barometer des britischen Berufsverbands von Immobilienfachleuten (RICS) stieg im September um 4 Punkte auf einen Wert von plus 17. Nach dem EU-Ausstiegsreferendum der Briten vom Juni war der Indikator im Juli auf ein Dreijahrestief von plus 5 gefallen.

RICS-Chefökonom Simon Rubinsohn sagte am Donnerstag, der Markt habe sich nach dem Referendum mittlerweile beruhigt. Das knappe Angebot treibe weiter die Preise. In der Finanzmetropole London fielen sie jedoch gegen den nationalen Trend. "Die Umfrageteilnehmer sagen uns, dass die Preise auf kurze Sicht wohl weiter nachgeben werden. Andernorts scheint der Aufwärtstrend weiter intakt."

Nicht ersetzbar

Die Unsicherheit über die weitere wirtschaftliche Verankerung Großbritanniens in Europa lastet besonders auf dem Preisniveau in London. Die Themse-Metropole ist aus Sicht der Notenbank jedoch ein einzigartiger Handelsplatz in Europa und kann auch nach einem EU-Austritt Großbritanniens nicht ohne weiteres von anderen Finanzstandorten wie etwa Paris oder Frankfurt eins zu eins ersetzt werden.

Ob die Briten weiter Zugang zum europäischen Binnenmarkt mit seinem zollfreien Warenverkehr bekommen, muss in Austrittsverhandlungen geklärt werden. Für das Londoner Finanzzentrum ist insbesondere der sogenannte EU-Pass wichtig. Dieser ermöglicht Banken den ungehinderten Zugang zu den Kapitalmärkten der EU.

Antrag bis Ende März

Trotz der großen wirtschaftlichen Tragweite der Entscheidung will Premierministerin Theresa May das Parlament nicht über die umstrittene Scheidung von der EU abstimmen lassen. Vor einem Londoner Gericht wollen Gegner Mays einen aus ihrer Sicht unzulässigen Alleingang der Premierministerin in dieser Frage verhindern. Der Auftakt des Verfahrens ist am Donnerstag. Im Juni hatten die Briten mehrheitlich für einen Brexit gestimmt. May will bis Ende März den Austritt beantragen. Danach beginnt der zweijährige Austrittsprozess. (APA, 13.10.2016)

  • Die Preise in London werden wohl auf kurze Sicht weiter nachgeben, meinen Experten.
    foto: reuters/melville

    Die Preise in London werden wohl auf kurze Sicht weiter nachgeben, meinen Experten.

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