Linksfahrer werden als Gefahr empfunden – von vorne wie von hinten

13. Oktober 2016, 12:27
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Asfinag will per Infokampagne Umdenken bei "Linksdränglern" und "Linksbremsern" erreichen

Wien – Das am störendsten und am gefährdendsten empfundene Verhalten auf österreichischen Autobahnen sind Drängler, die auf der Überholspur dicht auffahren, und Langsamfahrer auf mittleren oder linken Spuren, die dieses Verhalten bisweilen provozieren. Zu dieser Auffassung kommt die Asfinag in einer aktuellen Studie. Um beide Verhaltensweisen zu entschärfen, hat der Autobahnbetreiber eine Informationskampagne gestartet.

Laut der vom Institut für empirische Sozialforschung (Ifes) im Oktober durchgeführten Umfrage fühlen sich 77 Prozent der Autofahrer "sehr oft" oder "häufig" durch dichtes Auffahren gefährdet. Mit einigem Abstand dahinter erreichen abrupte Fahrstreifenwechsel (64 Prozent) und Langsamfahren auf dem mittleren oder linken Fahrstreifen (63 Prozent) nahezu gleich hohe Werte. Grundsätzliches Schnellfahren nehmen nur 51 Prozent als latente Gefährdung wahr; rechts zu überholen erachten gar nur 31 Prozent als ständiges oder häufiges Risiko im Autobahnverkehr.

Obwohl laut der Umfrage 89 Prozent das Rechtsfahrgebot bekannt ist, halten sich nur 30 Prozent immer daran. 62 Prozent beantworteten diese Frage mit "fast immer" – sie sagen, es gebe bewusste Situationen, in denen sie das Gebot vernachlässigen. Mehr Frauen als Männer gaben an, das Gesetz stets zu befolgen (33 gegenüber 28 Prozent), und sie beobachten auch seltener Verkehrsteilnehmer, die das nicht tun (21 gegenüber 32 Prozent).

"Jeder kann durch Unachtsamkeit oder Bequemlichkeit hin und wieder zum Linksfahrer werden", sagte Asfinag-Geschäftsführer Rainer Kienreich bei der Präsentation der Zahlen am Donnerstag in Wien. "Ein größeres Problem liegt bei sogenannten Linksdränglern und Linksbremsern vor."

Linksdrängler und Linksbremser

Als Linksdrängler ("aktive Linksfahrer") gilt jene Gruppe, die mit 77 Prozent die meisten Verkehrsteilnehmer fürchten. Sie wollen laut der von der Asfinag definierten "Psychologie des Linksfahrens" "schnell ungehindert vorankommen und gehen durch dichtes Auffahren ein sehr hohes Risiko für sich und andere ein". Sie kennzeichne hohes Tempo bei bewusster und nahezu ausschließlicher Nutzung des linken Fahrstreifens. Kommen sie dort nicht mehr voran, so fahren sie dicht auf oder überholen rechts. Meist sind es Männer, Personen mittleren Alters, die oft beruflich und in leistungsstarken Fahrzeugen unterwegs sind.

Zu den Linksbremsern ("passive Linksfahrer") zählt die Asfinag jene Lenker, die freie rechte Fahrspuren oft aus Bequemlichkeit oder Unsicherheit bewusst ignorieren. Der Frauenanteil ist hier höher, ebenso die Zahl überdurchschnittlich junger oder alter Personen, die in ihrer Freizeit unterwegs sind. Zu ihnen kommen laut Kienreich in geringerer Zahl auch Fahrer aus jenen Ländern, in denen es keine Rechtsfahrgebote gibt und die sich vor Fahrtantritt nicht ausreichend über die österreichische Regelung informieren.

Abstand halten und rechts fahren

Eine neue Informationskampagne der Asfinag mit dem Titel "Rechts fahren, Stress sparen" zielt vor allem auf die zweite Gruppe ab, zum Umdenken bewegen wolle man aber beide. Wenn Linksbremser ihr problematisches Verhalten ändern, solle das schließlich kein Freibrief sein, um potenziellen Linksdränglern nun freie Spur zum Rasen zu bieten. "Linksfahrer können und dürfen niemals ein Grund für dichtes und hochriskantes Auffahren sein. Abstand halten und rechts fahren – dann klappt es", so Kienreich.

asfinag - gemeinsam sicher ankommen

Die bis Anfang November laufende Kampagne kostet laut Kienreich rund 300.000 Euro und umfasst Videos in sozialen Medien, Online- und Printinserate, Infomaterial an Fahrschulen und bewusstseinsbildende Maßnahmen auf den Autobahnen selbst. Neben den schon bestehenden Schildern mit dem Text "Rechtsfahrgebot beachten – keep right" werden rund 60 Überkopfanzeigen mit demselben Slogan bespielt, sofern keine aktuellen Ereignisse angekündigt werden. (Michael Matzenberger, 13.10.2016)

  • Nur drei von zehn Österreichern befolgen das Rechtsfahrgebot immer.
    foto: asfinag

    Nur drei von zehn Österreichern befolgen das Rechtsfahrgebot immer.

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