Migranten wohnen schlechter

12. Oktober 2016, 18:48
32 Postings

Weniger Platz pro Kopf, öfter Schimmel im Haus – Expertin Gudrun Biffl rät zu differenzierter Sichtweise

Wien – Im Mittelpunkt des innerkoalitionären Ringens um das Integrationspaket stehen Wohn-Fragen dem Vernehmen nach nicht. Dabei gebe gerade die Wohnsituation von Migranten im Vergleich zu jener der langansässigen Bevölkerung Aufschluss über Ungleichheiten in der Einwanderungsgesellschaft, meint Zarko Radulovic, Chefredakteur der "Medien-Servicestelle Neue ÖsterreicherInnen", eines Vereins, der sich als "Portal für Journalisten zu Migration und Integration" versteht.

Auf Basis von Mikrozensus-Daten sowie der EU-weiten Silc-Erhebung über Einkommen und Lebensumstände aus dem Jahr 2015 vergleicht die Medien-Servicestelle in ihrer jüngsten Publikation etwa die zur Verfügung stehenden Wohnflächen. Menschen mit Migrationshintergrund – deren beide Eltern als Bürger eines anderen Landes geboren wurden – müssten mit einem Drittel weniger Platz als "Autochthone" (angestammte Österreicher) auskommen.

Unterschiede unter Einwanderern

In Zahlen stehen 49 Quadratmeter pro Nase für Autochthone 31 Quadratmetern für Migranten der ersten und zweiten Einwanderungsgeneration gegenüber. Doch ein differenzierterer Blick zeigt, dass es unter Migranten je nach Herkunft riesige Unterschiede gibt: 46 Quadratmeter pro Person für Angehörige der EU-Staaten vor 2004 kontrastieren mit 23 Quadratmetern pro Person für Migranten aus der Türkei.

Auch fühlten sich laut Silc-Erhebung 2015 unter den angestammt österreichischen Staatsbürgern 14 Prozent durch die Wohnkosten "stark belastet". Unter eingebürgerten Personen waren es 21, unter ausländischen Staatsangehörigen 27 Prozent. Elf Prozent der Autochthonen gaben an, in einer feuchten, schimmeligen Wohnung zu leben. Unter Drittstaatenangehörigen waren es mit 23 Prozent mehr als doppelt so viele.

Sozialökonomische Zugehörigkeit

Solche Daten seien nur bedingt aussagekräftig, merkt hierzu die Migrationsforscherin Gudrun Biffl an. Relevanter als die Herkunft sei die sozioökonomische Zugehörigkeit: "Die Wohnsituation unqualifizierter Arbeiter dürfte bei Einheimischen wie Einwanderern ähnlich sein".

Zu beachten seien auch die unterschiedlichen Arten von Migration. So wisse man aus Erfahrung, dass "Fluchtmigranten" wie heute "wenig Interesse an Verankerung" hätten. Sie suchten keine schöne Wohnung, sondern vielmehr Bildung und anderes bewegliches Gut. Biffl: "Viele werden zurück in die Heimat gehen, so dort einmal wieder Frieden herrscht". (Irene Brickner, 12.10.2016)

Share if you care.