Neuer GÖD-Chef Norbert Schnedl: Gewerkschafter und Experte für Reformen

Kopf des Tages12. Oktober 2016, 18:29
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Mehr als 96 Prozent der Delegierten haben den Christgewerkschafter zum Nachfolger Fritz Neugebauers gewählt

Er könne durchaus auch laut werden, sagt Norbert Schnedl, der neue Chef der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst (GÖD) über sich. Aber viele Ohrenzeugen scheint es dafür nicht zu geben. Und eigentlich bringe es ja auch nichts, wenn man laut wird.

Selbstbeherrschung und Freundlichkeit mit jeglichem möglicherweise auch nicht so freundlich gesinnten Gegenüber hat Schnedl gelernt, als er im Alter von 19 Jahren als Gendarm angefangen hat. Politisches Engagement auch: Er kandidierte als Personalvertreter in seiner Dienststelle und stellte bald fest, dass größere Vernetzung sinnvoll ist. Und er lernte nicht nur die sozialpartnerschaftlichen Usancen kennen – er studierte nebenbei (und höchst erfolgreich), was ihm die Chance auf eine Akademikerkarriere im Bundeskanzleramt eröffnete. Nach 17 Jahren im Exekutivdienst wechselte er 1996 in die Dienstrechtssektion und wurde mit Verwaltungsreformagenden betraut. 50 Einzelprojekte wurden angegangen – die Reorganisation des Bezirkspolizeikommissariats Liesing hält Schnedl noch immer für beispielgebend.

Die Befassung mit Verwaltungsreformen auf der Dienstgeberseite bereicherte Schnedls Erfahrungsschatz ebenso wie die Tätigkeit als Juror im internationalen Wettbewerb um Verwaltungsinnovationen der Deutschen Universität für Verwaltungswissenschaften Speyer.

Schnedls Sektion wanderte ins Finanzministerium, wo er Personalvertreter für die Zentralstelle wurde. Von dort wechselte er 2001 in eine hauptberufliche Tätigkeit für die Gewerkschaft Öffentlicher Dienst (GÖD), der er zunächst als Dienstrechtsreferent diente. Er wurde in den Vorstand gewählt und gewann auch in der Fraktion Christlicher Gewerkschafter (FCG) immer mehr Gewicht: Diese stellt nur bei Beamten und Vertragsbediensteten die Mehrheit – innerhalb des ÖGB ist sie aber in der Minderheit.

Der neue Chef der Beamtengewerkschaft Schnedl, von dessen Privatleben man nur weiß, dass er kinderlos verheiratet ist, erwies sich auch innerhalb des Gewerkschaftsbundes als konsensfähig: Seit neun Jahren ist er Fraktionschef der FCG und ÖGB-Vizepräsident. Dort trägt er die generelle Linie mit, reichert sie aber um christlich-soziale Ideen an: So ist er für alternative Finanzierungsquellen für die soziale Sicherheit – will aber Abgaben nicht an der Wertschöpfung, sondern an der sozialen Situation der Mitarbeiter festmachen. Nach seinen Vorstellungen müssten da auch Importeure von Textilien aus Billiglohnländern zur Kasse gebeten werden. (Conrad Seidl, 12.10.2016)

  • Neuer Chef der Vertretung von 240.000 Mitgliedern der Gewerkschaft öffentlicher Dienst: Norbert Schnedl
    foto: apa/hochmuth

    Neuer Chef der Vertretung von 240.000 Mitgliedern der Gewerkschaft öffentlicher Dienst: Norbert Schnedl

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