Dokumentarfilm "Korida": Kampfbullen gegen Kriegswunden

Video12. Oktober 2016, 16:39
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Siniša Vidovićs Debütfilm handelt von den bosnischen Stierkämpfen und den Menschen, die sich dort versammeln

Wenn in Korida, dem Langfilmdebüt von Siniša Vidović, die gehörnten Kolosse aufeinanderprallen, wird klar, warum gedrungene Muskelpakete als "bullig" bezeichnet werden. In Zeitlupe zeigt er die bis zu 1200 Kilo schweren Kraftpakete, die sich (und keinem Torero) bei den traditionell unblutig endenden bosnischen Stierkämpfen gegenüberstehen. Im Zentrum des Dokumentarfilms stehen jedoch nicht die Tiere, sondern ein Land und seine Menschen, die sich zu Hunderten versammeln, um die animalischen Kombattanten anzufeuern.

foto: golden girls
Unblutiger Stierkampf: Tonnenschwere Kraftpakete prallen in "Korida" aufeinander.

Da ist etwa Renata, die blondierte "Königin der Koridas", Kinija, an dessen einfachem Haus noch immer die Spuren des Krieges zu sehen sind, oder Stipe, die Stierzüchterlegende, dessen Sohn Marko alle paar Wochen mit den eigenen Buben im Gepäck von Traiskirchen nach Bosnien fährt, um den Kindern ihre Wurzeln zu zeigen. Sie alle sehen in den zuletzt boomenden Spektakeln eine Möglichkeit, um den Alltagssorgen zu entfliehen und Bosniaken, Serben und Kroaten wieder zusammenzubringen.

golden girls filmproduktion

Vidović, in Kroatien geboren und seit zwanzig Jahren in Österreich lebend, wird während der Dreharbeiten jedoch deutlich vor Augen geführt, dass die Dinge komplizierter sind: Unbekannte bewerfen Renatas Haus mit Handgranaten, und die Abhaltung der 242. Grmec-Korida soll verhindert werden, da unter der Austragungsstätte Massengräber vermutet werden.

Während seine Protagonisten auf unterschiedliche Weise für ihre regionale Tradition kämpfen, zeigt Korida eindringlich, dass die Wunden des Krieges schwerer verheilen, als es auch seine Opfer wahrhaben wollen. (wall, 12.10.2016)

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