"Mio, mein Mio": Eine prächtige, bessere Welt

12. Oktober 2016, 16:18
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Astrid Lindgrens Klassiker der Kinderliteratur im Renaissancetheater

Wien – Die Idylle des verschneiten Anfangsbildes (durchgehend betörend schön die Ausstattung von Mathias Rümmler!) trügt. Vor dem schwarzen Sternenhimmel wächst Bosse (Stefan Rosenthal) bei seinen Pflegeeltern auf. Aus ihrer Lieblosigkeit machen der schweigsame Onkel und die grämliche Tante kein Geheimnis.

Im Fortgang von Mio, mein Mio bleiben beide jedoch Nebenfiguren. Denn aus dem schwedischen Winter wird ein blühender Garten, als der Waisenbub eine leuchtende Flasche findet. Ein Geist bringt ihn in das "Land der Ferne", wo sein tatsächlicher Vater König ist. Und Bosse nun Prinz Mio.

An Astrid Lindgrens Klassiker der Kinderliteratur, der seinerzeit euphorisch als neues Märchen aufgenommen wurde, zu schaffen gemacht hat sich das Theater der Jugend. Rockende Blumen empfangen den Buben, schwuppdiwupp wird ein Fauteuil zum standesgemäßen Pferd. Alles wäre unbeschwert, wäre da nicht der grausame Ritter Kato im "Land Außerhalb", der Kinder entführt. Ihn zu bezwingen wird Mios Mission.

Stefan Behrendt inszeniert Lindgrens fantastische Welt anregend und abwechslungsreich, prächtig hat das Team an der Bebilderung des Stoffes von 1954 gearbeitet. Das Tempo der Erzählung stimmt immer, die Regieeinfälle haben Witz: Mio zur Seite steht als bester Freund Jum Jum (Luka Dimic) mit der Regenbogenfrisur, gemeinsam befahren sie per Papierschiffchen die stürmische See und schlüpfen durch Felswände, natürlich mit Echoeffekt. Liebevoll und aufwendig umgesetzt, überzeugen solche Details aber gerade dadurch, dass sie nie zu klotzen beginnen. Das Ensemble steht dem um nichts nach, allen voran die sympathischen Helden.

Mit fast zwei Stunden Aufführungsdauer (inklusive Pause; ab sechs Jahren) erfordert das ein bisschen Sitzfleisch. Der Schlussapplaus fiel verdient stürmisch aus. (Michael Wurmitzer, 12.10.2016)

Bis 20. 11.

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Theater der Jugend

  • Jum Jum (li.) und Mio als Gefangene des grausamen Ritters Kato (re.) am Segway.
    foto: rita newman

    Jum Jum (li.) und Mio als Gefangene des grausamen Ritters Kato (re.) am Segway.

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