Analysten machen starre Samsung-Führung für Note-7-Debakel verantwortlich

12. Oktober 2016, 15:13
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"Mangel an Feedback ist der größte Fehler"

Das Debakel um das Galaxy Note 7 wirft ein Schlaglicht auf die Unternehmenskultur von familiengeführten Großkonzernen in Südkorea. Die riesigen Konglomerate wie der Elektronikkonzern Samsung und auch der Autohersteller Hyundai haben das Land zwar zur viertgrößten Wirtschaftsnation Asiens aufsteigen lassen.

Starr geführte Konzerne für Krisen nicht gerüstet

Doch für Krisen sind die starr geführten Konzerne, genannt Chaebol, nicht gerüstet, in denen die von oben ausgegebenen Anordnungen der Gründungsfamilie ohne Hinterfragen ausgeführt werden.

Samsung galt lange als Beispiel für Effizienz. Ein Chef und eine Handvoll Top-Manager gaben für alle Sparten einen Geschäftsplan heraus, dem akribisch gefolgt werden musste. Unter dem inzwischen bettlägerigen Patriarchen Lee Kun Hee hat sich diese Strategie in den vergangenen 15 bis 20 Jahren als besonders erfolgreich herausgestellt. Samsung ist heute ein renommierter Elektronikkonzern, Weltmarktführer bei Smartphones.

Mit dem Wachstum des Konzerns und den immer komplexer werdenden Geschäftszweigen wurde der zentrale Entscheidungsfindungsprozess aber zunehmend zur Belastung, wie einige Analysten finden. Ein Grüppchen aus Top-Managern in der Abteilung Zukunftsstrategie habe nahezu unangefochten das Sagen über die Ausrichtung, moniert Ökonom Kim Sang Jo. "Welche Entscheidung die Abteilung auch immer trifft, die Ingenieure und arbeitenden Manager sollten ihnen still folgen, auch wenn sie denken, dass es menschlich nicht möglich oder völlig unvernünftig ist."

Konkurrenzdruck

Kim und eine Reihe anderer Analysten sehen hinter dem Debakel um das Galaxy Note 7 vor allem einen Grund: das Beharren des Managements darauf, das Smartphone-Modell noch vor dem eigentlichen Zeitplan auf den Markt zu bringen, um Apples neues iPhone auf Abstand zu halten.

Für Ingenieure habe es keine Möglichkeit gegeben, dem Management mitzuteilen, dass sie mehr Zeit für Tests des Akkus benötigten – auch für den neuen Akku nach dem Rückruf nicht, vermutet Kim. "Dieser Mangel an Feedback ist der größte Fehler hinter dem Desaster."

Samsung hatte im September die bis dahin verkauften 2,5 Mio. Exemplare des Galaxy Note 7 zurückgerufen, nachdem bei einigen Geräten der Akku in Brand geraten war und Bilder von verschmorten Smartphones im Internet die Runde machten. Das Unternehmen machte einen Zulieferer verantwortlich und kündigte an, das Problem zu beheben. Doch der nächste Rückschlag kam, als auch die überarbeiteten neuen Modelle Feuer fingen.

Kritik: Austauschprogramm übereilt

Kritik wurde laut, dass Samsung das Austauschprogramm zu übereilt auf den Weg gebracht habe – genau wie den ersten Verkaufsstart für das Produkt. Am Dienstag zog Samsung schließlich die Notbremse und begrub das Galaxy Note 7 ganz.

Das Unternehmen habe hoffentlich seine Lektion gelernt, sagt Park Yoo Kyung von APG Asset Management, die auf die Analyse von Unternehmensführung spezialisiert ist. "Ich habe so viele familienkontrollierte Firmen auf Krisen langsam reagieren sehen." Viele hätten ihre Chance, Fehler zu korrigieren, ganz verpasst, weil "alles vom Top-Management diktiert sein musste". Sie hoffe, dass Samsung nun nicht überstürzt ein neues Smartphone an den Start bringe, um die Krise hinter sich zu lassen.

Generationenwechsel steht bevor

Samsung selbst macht sich derzeit für einen Generationenwechsel bereit. Lee Kun Hee ist seit einem Herzinfarkt im Jahr 2014 bettlägerig. Sein Sohn und mutmaßlicher Nachfolger, J.Y. Lee, ist Vize-Chef von Samsung Electronics und rückte erst wenige Tage nach dem Rückruf des Smartphones im September in den Vorstand des Konzerns auf.

Besonders seine Leistung steht derzeit unter Beobachtung. "Je nachdem wie er sich verhält, wird Samsung als Beispiel dafür gelten, wie sich ein Unternehmen durch eine Krise neu erfinden kann, oder in der Geschichte untergeht wie Nokia", prophezeit Ökonom Kim Sang Jo. Für die südkoreanische Wirtschaft ist Samsung enorm wichtig: Das Unternehmen sorgt für 17 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. (APA/AFP, 12.10.2016)

  • Samsungs starre Konzernführung wird für das Debakel um das Galaxy Note 7 verantwortlich gemacht.
    foto: reuters/kim hong-ji

    Samsungs starre Konzernführung wird für das Debakel um das Galaxy Note 7 verantwortlich gemacht.

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