Ex-Magna-Chef Wolf gibt Traktorwerk in Ukraine auf

12. Oktober 2016, 15:35
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Siegfried Wolf will aus dem Traktorenhersteller XTZ aussteigen. Die Ukraine agiere feindlich gegenüber ausländischen Investoren

Wien – Ex-Magna-International-Chef Siegfried Wolf hat genug vom Ärger mit seiner Investition beim Traktorwerk XTZ im ostukrainischen Charkiw. Er will seine 30 Prozent abgeben, er habe genug vom obstruktiven Verhalten der ukrainischen Behörden, teilte der frühere ÖIAG-Präsident und nunmehrige Verwaltungsratschef von des Autoherstellers Russian Machines von Oleg Deripaska am Mittwoch via Aussendung mit.

Mehr als sechs Monate lang habe man versucht, den Wechsel in der Eigentümerstruktur von XTZ beim ukrainischen Firmenbuchgericht durchzubringen, sei damit aber gescheitert. Es scheint, als wollten die Ukrainer nicht, sagt Wolf, der 30 Prozent an der Kharkiv Tracor Plant (XTZ) hält. 60 Prozent hält die DCH Group von Alexander Yaroslavky, die restlichen zehn Prozent sind im Streubesitz. Auch DCH seien nach Offenlegung der neuen Eigentümerverhältnisse die notwendigen Genehmigungen verwehrt worden.

Werk steht still

Seither steht auch die Produktion im XTZ-Werk still, rund 2900 Beschäftigte und dreimal so viele Arbeitnehmer bei Zulieferern hätten keinen Arbeitsplatz, sagt Wolf. Man könne für 2017 keine Lieferverträge abschließen, weil es keine Aussicht auf Neuordnung der Produktionsverhältnisse gebe. "Die Gräben zwischen Ukraine und Russland sind offenbar zu groß", sagte Wolf zum STANDARD, und er wolle nicht in einem Spalt landen.

Das Ziel, die durch das Vorgehen der ukrainischen Behörden an den Rand der Zahlungsunfähigkeit gebrachte Produktion wieder in Schwung zu bringen, gibt Wolf angesichts des anhaltenden Drucks der ukrainischen Regierung nun auf. Vor Ausbruch der Krise exportierte XTZ zwei Drittel seiner Traktoren nach Russland.

"Opfer einer Kampagne"

Zur Erinnerung: Im April hatte XTZ, einer der führenden ukrainischen Hersteller von Traktoren und landwirtschaftlichen Kettenfahrzeugen, beklagt, Opfer einer Kampagne der ukrainischen Behörden zu sein. Man sah sich Vorwürfen ausgesetzt, XTZ habe Außenhandelsbestimmungen durch illegale Ausfuhr von Traktoren nach Russland verletzt, illegal Ausrüstungen und Pläne transferiert und Firmeneigentum unerlaubterweise zur Besicherung einer Finanzierung verpfändet. Auch Steuern seien nicht bezahlt worden, wodurch staatliche Interessen der Ukraine verletzt wurden, was XTZ stets vehement bestritten hat.

Das Anti-Monopol-Komittee habe den Antrag auf Erwerb einer kontrollierenden Mehrheit am Werk dreimal zurückgewiesen. Offenbar hätten die Behörden kein Interesse an einer Attraktivierung durch europäische Investoren. Aus diesem Grund werde er den Erwerb seines Minderheitsanteils an XTZ nicht fortsetzen, sondern alles abgeben, sagt Wolf. Ob DCH die Anteile übernimmt, stehe nicht fest, man sei in Verhandlungen. (ung, 12.10.2016)

  • Steigt vom ukrainischen Traktor ab und will seinen Anteil am Werk XTZ in Charkiw abgeben: Ex-Magna-International-Chef Siegfried Wolf.
    foto: apa / georg hochmuth

    Steigt vom ukrainischen Traktor ab und will seinen Anteil am Werk XTZ in Charkiw abgeben: Ex-Magna-International-Chef Siegfried Wolf.

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