Kulturtechnik des 21. Jahrhunderts: Warum Kinder programmieren können sollen

12. Oktober 2016, 14:20
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App der TU Graz im Rahmen einer Workshop-Reihe an 43 Schulen eingesetzt

Ein Vogel wird gegen einen Turm aus Bausteinen geschleudert, der den Gesetzen der Physik folgend in sich zusammenkracht. Nicht in der Natur, sondern im Handyspiel "Angry Birds". Wie entwickelt man so ein Programm? Unter anderem das können Kinder mit der App Pocket Code lernen, die am Institut für Software-Technologie der TU-Graz entwickelt wurde. Kinder können damit simple Apps entwickeln und die Kreationen anderer ausprobieren. Im Rahmen der von Samsung veranstalteten Roadshow Coding for Kids, die nun abgeschlossen wurde, wurde die App bei Workshops an 43 Schulen in Österreich eingesetzt.

Programmieren lernen am Handy

"Programmieren ist die Kulturtechnik des 21. Jahrhunderts", erklärt Martina Friedl, bei Samsung zuständig für Public Affairs. Je früher Kinder mit diesen Grundlagen vertraut gemacht werden, desto besser würden sie verstehen, wie die Geräte, die sie im Alltag verwenden, funktionieren. Bei der App der TU-Graz wird bewusst auf ein Handyprogramm und nicht auf PC-Software gesetzt. Die meisten Schulkinder haben Handys, wohingegen Computer im Schulalltag nicht weit verbreitet sind, wie kürzlich auch eine Studie des Instituts für Jugendkulturforschung zeigte.

Die App, die sich an 8- bis 14-Jährige richtet, kann zudem kostenlos auf jedes Android-Handy geladen werden. So können Kinder auch alleine zu Hause damit herumexperimentieren. Inzwischen wurden schon 2.000 Spiele damit hochgeladen.

Wichtige Kompetenz für alle

Es gibt zahlreiche Projekte und Initiativen in diesem Feld – sowohl für Software als auch Hardware. Auf Crowdfundingplattformen wie Kickstarter etwa findet man dutzende Spielzeuge, die ebenfalls Grundlagen des Programmierens und der Robotik vermitteln sollen. Beliebt sind Roboter und intelligente Bausteinen, die nach dem Lego-Prinzip funktionieren – etwa die Wiener Entwicklung Robo Wunderkind.

Auch Apple bietet seit Kurzem die iPad-App Swift Playgrounds an, die das spielerische Experimentieren mit Code ermöglicht, im Gegensatz zu Pocket Code eher für ältere Jugendliche geeignet ist. "Programmieren sollte Pflicht an allen Schulen sein", sagte CEO-Tim Cook zur Präsentation im Juni. Wolfgang Slany vom Institut für Softwaretechnologie TU Graz, wo Pocket Code entwickelt wurde, sieht darin eine wichtige Kompetenz für alle. Im Schulunterricht komme das aber oft zu kurz. Die Österreichische Computer Gesellschaft fordert mit ihrer kürzlich gestarteten Initiative "Bildung 4.0" daher einen durchgehenden Informatik-Unterricht und eine Grundausbildung für Pädagogen.

Wer die Grundzüge als Kind begreift, kann später auch im Berufsleben davon profitieren. Für Studenten aller Richtungen wäre es von Vorteil "ein bisserl" programmieren zu können, um einfacher Start-ups gründen zu können, so Slany. Games seien dafür ein guter Einstieg. Immerhin habe auch Microsoft-Gründer Bill Gates mit einem Spiel angefangen. (Birgit Riegler, 12.10.2016)

  • Pocket Code der TU Graz soll die Grundlagen des Programmierens vermitteln – sie richtet sich vor allem an Kinder zwischen 8 und 14 Jahren.
    foto: tu graz

    Pocket Code der TU Graz soll die Grundlagen des Programmierens vermitteln – sie richtet sich vor allem an Kinder zwischen 8 und 14 Jahren.

  • Apples Swift Playground ist für etwas ältere Jugendliche gedacht.
    foto: apple

    Apples Swift Playground ist für etwas ältere Jugendliche gedacht.

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