Menschliche Tabubrüche: HBO-Serie "Westworld" von "GTA" und "Bioshock" inspiriert

12. Oktober 2016, 11:13
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Neue Fernsehserie handelt von Robotern in einer abgeschotteten Welt und bezieht Einflüsse aus der Games-Welt

"Westworld", neuestes Prestigeprojekt des US-amerikanischen Senders HBO, wurde von Computerspielen wie "Bioshock Infinite" und dem Westernspiel "Red Dead Redemption" inspiriert. Das haben die Macher der futuristischen Roboterserie auf der New York Comic Con bekannt gegeben. Besonders die Idee einer Open World, die für den Spieler frei erkundbar ist, und in der er alles machen kann, sei für die "Westworld"-Macher von großem Einfluss gewesen.

Tabubrüche

"Westworld" handelt von dem namensgebenden Freizeitpark, der von super humanoiden Robotern bewohnt wird. Der Park ist wie in "Die Truman Show" ein abgeriegeltes System, in dem Besucher in eine Western-Welt eintauchen und mit den Robotern, sogenannte "Hosts", interagieren können. Diese Mensch-Roboter-Interaktion beschränkt sich nicht nur auf Gespräche, mögliche Ausflüge in das Hinterland des Parks oder einfach nur das Eintauchen in eine Welt im Westernstyle, sondern auch auf menschliche Tabubrüche.

In "Westworld" dürfen die Besucher die Roboter ausrauben, töten, mit ihnen schlafen oder sie schänden – und das ohne Konsequenzen. Das Ganze erinnert ein wenig an "GTA", das ebenso zu den Bezugsquellen der "Westworld"-Macher wurde. Lisa Joy Nolan und Jonathan Nolan meinten dazu, dass sie fasziniert seien, wie Menschen in Computerspielen ihre gewalttätigen Fantasien ausleben, die im völligen Kontrast zu ihrer Persönlichkeit im Alltag stehen. "Die Art und Weise, wie wir in unseren Simulationen agieren, so handeln wir nicht in der realen Welt", so Jonathan Nolan.

hbo
Video: "Westworld"-Trailer.

Bessere Geschichten in Games

Dass die scheinbar friedliche Symbiose zwischen Mensch und Roboter nicht ewig währt, liegt auf der Hand. Wie schon im Buch "Westworld" von Michael Crichton, oder der Verfilmung aus den Siebzigern, begehren die Roboter auf und wehren sich gegen die Umtriebigen.

In einem Interview mit Vice loben die beiden "Westworld"-Macher das interessante Storytelling in Games. Sie sind fasziniert davon, dass in Videospielen die Handlungen des Protagonisten absolut keinen Einfluss auf die Geschichte haben. "In Spielen wie The Elder Scorlls: Skyrim, Red Dead Redemption, oder den Sanbox-Games von Bioware, ist Moral eine Variable. Wie schreibt man eine Geschichte in der die moralische Komponente des Helden auf einem Spektrum existiert?"

"Bioshock" als Einfluss

"BioShock Infinite", laut Nolan eines der durchdachtesten Unterhaltungswerke, war in der Realisation der Beziehung zwischen Designer, NPC und Spieler besonders zentral. Nolan bezieht sich auf "BioShock"-Entwickler Ken Levin und meint: "Es ist eine qualitativ andere Beziehung, die ein Drehbuchautor mit seinen Charakteren hat, denn Videospielfiguren rezitieren nicht nur Dialog, sie machen Dinge, sie interagieren mit dem Spieler."

Das tragische Leben der NPCs

Es sei tragisch für Nolan, dass die Macher so viel Energie in Charaktere stecken, ihnen ganze Dialogstränge schreiben, die der Spieler im Eifer des Gefechts oder aus Desinteresse niemals zu hören bekommt.

In Bezug auf die hyper-humanoiden Androiden in "Westworld" war es für Nolan auffällig, dass die NPCs in Videospielen abseits des Protagonisten ein eigenes Leben führen. Ebenso wie die Non-playable-Characters existieren die Roboter in "Westworld" mit ihren eigenen Leben, Dialogen, Handlungen. Ebenso können sie zu jeder Zeit mit einem menschlichen Besucher interagieren – auf Gedeih und Verderb. (rec, 12.10.2016)

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