"Schlimmer als Clinton": Scharfe Kritik Trumps an eigener Partei

11. Oktober 2016, 20:58
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Führende Vertreter der Republikaner sagen sich von ihrem Kandidaten los – Gerüchte über mögliche weitere Enthüllung von Vulgaritäten

Washington – Der Streit zwischen dem republikanischen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump und führenden Vertretern seiner Partei eskaliert. Trump warf dem mächtigen Republikaner Paul Ryan und anderen am Dienstag vor, seinen Wahlkampf zu torpedieren. Ryan, der Vorsitzender des Abgeordnetenhauses ist, hatte sich am Vortag von Trump losgesagt.

Auf Twitter setzte Trump gleich mehrere Botschaften ab, in denen er seiner Wut freien Lauf ließ. Ryan nannte er eine "schwache und erfolglose Führungsfigur". Abtrünnige Republikaner seien viel problematischer als seine demokratische Konkurrentin Hillary Clinton, klagte er. "Sie greifen einen von allen Seiten an. Sie wissen einfach nicht, wie man gewinnt. Ich werde es ihnen zeigen." Die Loyalität im demokratischen Lager sei viel größer.

Keine Annäherung

Trump machte auch deutlich, dass ihm nichts daran liegt, die Risse zu kitten. "Es ist so schön, dass mir die Fesseln abgenommen wurden und ich jetzt so für Amerika kämpfen kann, wie ich es will." Unterdessen kamen aber selbst aus seinem innersten Zirkel missfällige Töne. New Jerseys Gouverneur Chris Christie kritisierte Trump für seine frauenverachtenden Äußerungen in einem geleakten Video aus dem Jahr 2005. "Solches Gerede und solche Unterhaltungen sind selbst im Privaten einfach unzumutbar", sagte Christie. Er erklärte aber auch, weiter hinter Trump zu stehen. Christie gehört neben New Yorks Ex-Bürgermeister Rudy Giuliani zu den engsten Vertrauten Trumps.

In den Videoaufnahmen, die die "Washington Post" am Freitag veröffentlicht hat, brüstet sich Trump damit, sich gegenüber Frauen alles erlauben zu können. Führende Republikaner hatten sich davon entsetzt gezeigt. Ryan soll mehreren Abgeordneten am Montag in einem Telefongespräch gesagt haben, er wolle Trump nicht mehr verteidigen und sich stattdessen auf die Kongresswahl konzentrieren.

Er ist als Vorsitzender des Repräsentantenhauses der derzeit mächtigste Republikaner. Der 46-jährige haderte schon in der Vergangenheit mit Trump. Immer wieder kritisierte er ihn scharf, sprach ihm im Juni aber dennoch die Unterstützung zu. Zumindest offiziell hat er diese noch nicht zurückgenommen.

Wahl verloren gegeben

Ryans Bemerkungen wurden in amerikanischen Medien nun so interpretiert, als habe er die Präsidentschaftswahl schon verloren gegeben. Ihm scheint es nun vor allem darum zu gehen, die republikanische Mehrheit im Kongress zu halten. Mehrere republikanische Senatoren müssen wegen Trump um ihre Wiederwahl bangen, darunter Ex-Präsidentschaftskandidat John McCain.

Die zweite Kammer des Kongresses wählt mit der Präsidentenwahl am 8. November 34 Sitze neu, die für sechs Jahre besetzt werden. Die Demokraten müssten den Republikanern nur vier der zur Wahl stehenden 34 Senatorensitze abnehmen, um die Mehrheit zu haben.

Eine zu Wochenbeginn veröffentlichte Umfrage verzeichnet einen dramatischen Absturz des republikanischen Präsidentschaftskandidaten. Clinton lag demnach bei 46 Prozent, Trump sackte auf 35 Prozent ab. Die Umfrage des Fernsehsenders NBC News und der Zeitung "Wall Street Journal" fand direkt nach Veröffentlichung des Skandalvideos statt.

Unterdessen kursierten Gerüchte, dass es bisher unveröffentlichte Mitschnitte oder Transkripte aus der Produktion der TV-Serie "The Apprentice" gebe, die Trump weiter in Bedrängnis bringen könnten. Ein Ex-Produzent der Reality-Serie, Bill Pruit, twitterte, es gebe Aufzeichnungen, die noch "viel schlimmer" seien als alles bisher Bekannte.

Der derzeitige Produzent der Show, Mark Burnett, erklärte daraufhin in einem gemeinsamen Statement mit dem Unterhaltungsunternehmen Metro-Goldwyn-Mayer, er habe "weder die Möglichkeit noch das Recht", Mitschnitte und sonstiges Material herauszugeben. Auch die Möglichkeiten von MGM, derartiges Material zu veröffentlichen, seien durch "diverse vertragliche und juristische Anforderungen" eingeschränkt. (APA, 11.10.2016)

  • Übt Kritik an "abtrünnigen Republikanern": Donald Trump.
    foto: reuters / mike segar

    Übt Kritik an "abtrünnigen Republikanern": Donald Trump.

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