Behörden: Bei deutscher Terrorfahndung war es "fünf vor zwölf"

11. Oktober 2016, 17:33
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Verfassungsschutz betont Gefährlichkeit des Festgenommenen. Viel Lob gibt es für jene Syrer, die bei der Festnahme halfen

Gott sei Dank, es ist nichts passiert. Diese Erleichterung war am Dienstag in Deutschland zu spüren, hatte doch die Polizei am Tag zuvor den 22-jährigen Syrer Jaber A. festgenommen, in dessen Wohnung sich gefährlicher Sprengstoff befand. Doch ins kollektive Aufatmen mischte sich auch Kritik am Polizeieinsatz in Chemnitz und Leipzig (beide Sachsen).

"Das war bestimmt kein Ruhmesblatt", sagt der Vizechef des Bundestagsgremiums zur Kon trolle der Geheimdienste, André Hahn (Linke). Die Polizei habe den Tatverdächtigen lange überwacht, ihn aber trotz eines Großaufgebots nicht gleich fassen können.

Kleber als letzte Bomben-Zutat

Hans-Georg Maaßen, der Chef des Bundesamtes für Verfassungsschutz, hingegen verteidigte den Einsatz als "großartigen Erfolg" und wies auf die Gefahr hin, die von dem Mann ausgegangen war: "Wir hatten Hinweise – nachrichtendienstliche Hinweise –, dass er zunächst einmal Züge in Deutschland angreifen wollte. Zuletzt konkretisierte sich dies mit Blick auf Flughäfen in Berlin."

Die Vorgehensweise der Ermittler schilderte Maaßen so: Als Jaber A. am Freitag "in einem Ein-Euro-Shop Heißkleber kaufte", seien "alle Maßnahmen in Bewegung gesetzt" worden, "damit ein Zugriff erfolgte". Denn die Behörden seien davon ausgegangen, dass dies "im Grunde genommen die letzte Chemikalie" sein könnte, "die für ihn notwendig war, um eine Bombe herzustellen".

Spezielles Know-how

Auch Generalbundesanwalt Peter Frank sagte, der Verdächtige habe bereits "eine sehr große Menge" eines "sehr hochexplosiven Sprengstoffs" hergestellt, dafür sei "spezielles Know-how" nötig. Die Welt berichtet, Jaber A. habe sich in diesem Sommer eine Zeitlang in der Türkei aufgehalten.

Viel Lob und Dank bekamen jene syrischen Flüchtlinge zu hören, die Jaber A. in Leipzig überwältigt und der Polizei übergeben hatten. "Das verdient große Anerkennung", erklärte etwa der innenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Burkhard Lischka.

Kein Freikaufen möglich

Mohammed A., einer der syrischen Flüchtlinge, die Jaber A. überwältigten, schilderte den Hergang bei RTL und in Bild. Jaber A. habe eine Übernachtungsmöglichkeit gesucht und sei so in die Leipziger Wohnung gekommen.

Dort fiel Mohammed A. die Facebook-Fahndung der Polizei auf. Daraufhin informierte er Freunde, und die verständigten die Polizei. Jaber A. wollte sich im letzten Moment freikaufen. "Er hat versucht, uns mit Geld zu bestechen", sagte Mohammed A.

Doch man habe dem Verdächtigen mitgeteilt: "Du kannst uns so viel Geld geben, wie du willst, wir lassen dich nicht frei." Anschließend hätten sie Jaber A. mit einem Stromkabel gefesselt. Über sein Motiv sagt er: "Ich bin Deutschland so dankbar, dass es uns aufgenommen hat. Wir konnten nicht zulassen, dass er Deutschen etwas antut." (Birgit Baumann aus Berlin, 11.10.2016)

  • In diesem Haus in Leipzig konnte die Polizei Jaber A. übernehmen.
    foto: apa/dpa-zentralbild/jan woitas

    In diesem Haus in Leipzig konnte die Polizei Jaber A. übernehmen.

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