Beamtengewerkschaft: Von Neugebauer lernen

Kommentar11. Oktober 2016, 17:26
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Die Ära Neugebauer hat durchaus Veränderungen gebracht. Diese wurden in hohem Maße von den Mitarbeitern mitgetragen

Mit der Vorsitzübergabe von Fritz Neugebauer an Norbert Schnedl geht heute eine Ära in der Beamtengewerkschaft zu Ende. Wenn die Erinnerung nicht trügt, dann war das eine Ära, in der ein starker Gewerkschafter mit ungeheurem Beharrungsvermögen jedes noch so kleine "wohlerworbene Recht" seiner öffentlich Bediensteten verteidigt und jede Reform verhindert hat.

Die Erinnerung trügt aber: In die Ära Neugebauer fallen unter anderem die Neuordnung der Beamtenpensionen, das neue Lehrerdienstrecht und die Einführung der Verwaltungsgerichtsbarkeit, die die größte Verwaltungsreform der Zweiten Republik darstellt. Der zweite Blick zeigt also, dass die vergangenen 19 Jahre durchaus Veränderungen gebracht haben – und dass diese Veränderungen in hohem Maße von den Mitarbeitern mitgetragen worden sind.

Natürlich war das mit Kompromissen verbunden. Diese hat es nur gegeben, wenn der Dienstgeber rechtzeitig den Rat der Mitarbeiter und ihrer Vertretung eingeholt hat – das hat die Politik lernen müssen. Gewerkschafter sind nämlich heikle Interessenvertreter: Haben sie den Eindruck, dass die Dienstgeberseite Veränderungen oktroyieren will, dann leisten sie Widerstand, dann rufen sie auch ihre Mitglieder zum Widerstand auf. Im öffentlichen Dienst funktioniert das aufgrund eines hohen gewerkschaftlichen Organisationsgrads besser als in anderen Branchen. Auch das kann man aus der Ära Neugebauer lernen. (Conrad Seidl, 11.10.2016)

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