Warum Samsung das Smartphone Galaxy Note 7 vom Markt nimmt

11. Oktober 2016, 16:27
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Das Galaxy Note 7 zog Samsung immer tiefer ins Schlamassel

Das Galaxy Note 7 zog Samsung immer tiefer ins Schlamassel. Auch bei einer vermeintlich nachgebesserten Geräte-Version wurden Brände gemeldet, schließlich entschloss sich Samsung, das Pannen-Smartphone ganz vom Markt zu nehmen.

Am Ende ging alles ganz schnell. Erst stoppte Samsung erneut den Verkauf des problembehafteten Smartphones Galaxy Note 7 – und gab das Gerät nur wenige Stunden später ganz auf. Anfangs wurde das Telefon für seine Funktionen von den Fachleuten gelobt. Dann tauchten kurz nach der Auslieferung Berichte über Brände auf.

Warum zieht Samsung das Galaxy Note 7 für immer aus dem Verkehr?

Samsung reagiert damit auf neue Berichte über brennende Smartphones dieses Typs. Das Brisante dabei: Es handelte sich bereits um vermeintlich sichere Austauschgeräte. Das ursprüngliche Modell wurde nach wenigen Wochen auf dem Markt wegen Brandgefahr zurückgerufen und nachgebessert. Doch die Probleme blieben. Noch am Montag hatte Samsung erklärt, die Produktionsplanung werde vorläufig angepasst. Doch jetzt zieht das Unternehmen die Notbremse. Es heißt, es bestehe die Gefahr einer Überhitzung, das Note 7 sei ein Sicherheitsrisiko.

Was sind die Ursachen für die Brandgefahr?

Als Samsung Anfang September die erste Rückrufaktion ankündigte, wurden die Akkus als Fehlerquelle ausgemacht. Das Unternehmen ging davon aus, durch den Austausch des Gerätes inklusive neuer Batterien auf der sicheren Seite zu sein. Nach den neuen Bränden erklärt die koreanische Behörde für Technologie und Standards, das Gerät habe möglicherweise eine "neue Art von Fehler", der über die Akku-Probleme hinausgehe. Laut Fachleuten könnte das Problem zum Beispiel auch in Steuer-Komponenten für die Batterien oder der Software liegen.

Warum greift Samsung zum radikalen Schnitt mit dem endgültigen Aus?

Samsung kämpft darum, das Vertrauen der Kunden zurückzugewinnen. Wie schon bei der ersten Rückrufaktion betont Samsung auch jetzt, dass die Sicherheit höchste Priorität habe. In Südkorea hatte man bereits vorher Zweifel, dass das Gerät jemals wieder auf den Markt kommen werde. "Wenn wir den Produktionslebens-Zyklus berücksichtigen, dann haben sie (Samsung) die Chance verpasst, den Marktanteil des Galaxy Note 7 im vierten Quartal wiederherzustellen", sagt der Analyst Lee Seung Woo vom Wertpapierhaus IKB Securties in Seoul. Es sei besser für Samsung, auch die Produktion einzustellen, um einen größeren Schaden zu verhindern.

Wie schwer ist der Rückschlag für Samsung durch das Debakel?

Analysten erwarten, dass das Pannen-Smartphone die Position Samsungs im Markt schwächen wird. Nach der ersten Rückrufaktion wurde Samsung noch für rasches Handeln gelobt. Jetzt wird spekuliert, dass Samsung die Austausch-Geräte zu schnell für sicher erklärt habe. "Ich denke, es wird eine sehr lange Zeit dauern und viel Kosten verursachen, um den Markenwert nach dieser Art von Unfall wiederherzustellen", sagt Lee. Er geht davon aus, dass vor allem Dauerrivale Apple profitiert. Allerdings hat Samsung noch zwei Flaggschiff-Smartphones auf dem Markt, das Galaxy S7 und das Galaxy S7 Edge. Von diesen Geräten wurden mehr verkauft als vom Note 7.

Wie teuer könnte es werden?

Beim anfänglichen Rückruf rechneten Analysten noch mit Kosten von rund einer Milliarde Dollar (896 Mio. Euro) – schmerzhaft, aber für Samsung durchaus verkraftbar. Damals rechneten sie aber auch noch damit, dass das Note 7 wieder auf den Markt kommt und der Konzern vielleicht noch 12 Millionen Geräte statt der ursprünglich erwarteten 15 Millionen verkaufen kann. Allein durch den Produktionsstopp – ohne die Kosten des Rückrufs – dürften Samsung aber Milliarden an fest eingeplanten Einnahmen entgehen.

Wie reagieren die Investoren?

Samsung Electronics ist die wertvollste Marke in Südkorea. Nahmen die Investoren von Samsung die Rückrufaktion für das Galaxy Note 7 im September noch eher gelassen hin, reagierten sie diesmal auf den Verkaufstopp sehr heftig. Die Samsung-Aktie brach an der Börse in Seoul am Dienstag um mehr als acht Prozent ein und ging mit 1,55 Mio. Won (rund 1.250 Euro) aus dem Handel. Das war noch bevor das endgültige Aus verkündet wurde. Vom wirtschaftlichen Gesichtspunkt geht man davon aus, dass das Unternehmen die Kosten des Smartphone-Debakels durch gute Geschäfte mit Halbleitern und Displays auffangen kann. (APA, 11.10. 2016)

  • Artikelbild
    foto: reuters
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