Unglaubliche Sätze zum zwei Mal Lesen

Kolumne12. Oktober 2016, 10:00
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Über den mangelnden Platz eines Rolls-Royce am Pannenstreifen und die Sonderschule für Samira

Warum ich in der U-Bahn gratiszeitunglese, fragte sinngemäß Leserin A. Warum ich in der U-Bahn gratiszeitunglese, fragte sinngemäß auch Leserin S. Und dann stellten gefühlte weitere 273 Leserinnen die gleiche Frage. Meine Antwort: Weil ich auf den langen Wegen zu und von meiner Schule täglich fast zwei Stunden in Öffis verbringe, und wenn du täglich zwei Stunden nichts anderes tust, als Menschen beim Smarttrottelmissbrauch zuzuschauen, wirst du wucki. Und – wegen der unglaublichen Sätze. Es gibt ja immer wieder Sätze im Leben, die musst du zweimal lesen, bevor du sie immer noch nicht glauben kannst.

Den zum Beispiel aus dem Mund von Edi Finger jun., anlässlich von 10 Jahre "Österreich":

"Ich wünsche euch ganz einfach weitere zehn Jahre. Wolfgang Fellner ist ein Gigant, alles, was er macht, ist einfach gut." Dreimal dürfen Sie raten, wo der Satz stand.

Oder diesen Satz in einem Bericht über einen besonderen Autounfall. Den habe der Verleger Christian W. Mucha auf seiner Heimreise aus Genua beobachtet und, weil der "Auto-Crash" quasi vor seiner Nase passiert sei, "mit der Bordkamera" gleich aufgezeichnet. "Stehen bleiben und helfen habe er nicht können, da der Pannenstreifen zu schmal für seinen Rolls-Royce war."

Das kann die Lehrerin ihren Schülerinnen 1:1 fürs Leben mitgeben.

- Frau Lehrerin, sollen wir später einmal stehen bleiben und helfen, wenn vor uns ein Auto in eine Leitplanke kracht?

- Nur, wenn ihr keinen Rolls-Royce habt.

Oder den, gefunden im Protokoll einer Schulpsychologin in der Schüler-Akte eines afghanischen Mädchens, mit dem ich jetzt umständehalber intensiver zu tun habe. Einleitend: Aufgrund ihrer kurzen Zeit in Österreich und der damit verbundenen sprachlichen Defizite hätte Samira (Name geändert) die 3. Klasse Volksschule wiederholen müssen. Aber dann: "Der Direktor wies Samiras Vater darauf hin, dass seine Tochter für eine 3. Klasse schon etwas zu groß sei, und empfahl stattdessen den Besuch einer Sonderschule."

Wie gut, dass es Sonderschulen gibt, wenn man für eine 3. Klasse Volksschule schon etwas zu groß ist. (Niki Glattauer, 12.10.2016)

  • Wenn man nicht gerade im Rolls-Royce fährt, sollte man stehen bleiben und helfen, wenn jemand vor uns in eine Leitplanke kracht.
    foto: reuters/eric gaillard

    Wenn man nicht gerade im Rolls-Royce fährt, sollte man stehen bleiben und helfen, wenn jemand vor uns in eine Leitplanke kracht.

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