Wahlplattform ÖVP und Neos: Das wäre schwierig geworden

Blog12. Oktober 2016, 09:00
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In Sachfragen wären die Differenzen überbrückbar. Die wechselseitigen Sympathien sind dennoch begrenzt

Man soll Gerüchten ja nicht allzu großes Gewicht einräumen. Aber die Berichte über eine mögliche Wahlplattform von ÖVP und Neos (unter Führung von Sebastian Kurz und Mitwirkung von Irmgard Griss) sind ein guter Anlass, um die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen schwarzen und pinken Wählern auszuloten.

Inhaltlich sind die Wähler von Neos und ÖVP nicht so weit voneinander entfernt. Die erste Grafik zeigt Daten des European Social Survey 2014, wo unter anderem die Meinung der Befragten zu folgenden Aussagen erhoben wurde:

  • Schwule und Lesben sollten ihr Leben so führen dürfen, wie sie es wollen.
  • Der Staat sollte Maßnahmen ergreifen, um Einkommensunterschiede zu reduzieren.
  • Die Europäische Einigung ist bereits zu weit gegangen / sollte weiter gehen.
  • Österreich wird durch Zuwanderer zu einem schlechteren/besseren Ort zum Leben.
grafik: laurenz ennser-jedenastik

Die Punkte geben die Mittelwerte auf diesen Skalen für die Wählerschaft der sechs Parlamentsparteien an (das Team Stronach ist hier gelb dargestellt). Bei den Themen Europa und Einkommensverteilung liegen schwarze und pinke Wähler nahe beieinander. Die Einstellungen zur Zuwanderung und zu Homosexuellen divergieren hingegen ein Stück weit. Doch sind die Meinungsunterschiede insgesamt wohl nicht so groß, dass eine Kooperation völlig ausgeschlossen wäre.

Was aber steht dann einer Zusammenarbeit im Weg?

In der Autnes-Nachwahlbefragung von 2013 wurden alle Befragten gebeten, ihre Sympathie für die Parteien auf einer Skala von 0 (gar nicht sympathisch) bis 10 (sehr sympathisch) anzugeben. In der zweiten Abbildung sehen wir, wie die Sympathien für jeweils zwei Parteien miteinander zusammenhängen. (Bevor jemand moniert, dass diese Daten mittlerweile drei Jahre alt sind: Noch nicht veröffentlichte Autnes-Daten aus dem Herbst 2015 zeigen sehr ähnliche Ergebnisse.)

Negative Werte bedeuten, dass mit steigender Sympathie für die eine Partei jene für die andere Partei abnimmt. Positive Werte bedeuten das Gegenteil: Wer die eine Partei sympathisch findet, tut das in der Regel auch in Bezug auf die andere. Je weiter weg von null die Werte liegen, desto stärker ausgeprägt ist dieser Zusammenhang. Werte nahe bei null bedeuten, dass zwischen den Parteisympathien kein Zusammenhang besteht.

Wenig überraschend hat das Parteipaar FPÖ/Grüne den niedrigsten Wert. Je größer die Zustimmung zu Blau, desto größer die Ablehnung von Grün – und umgekehrt. Auch SPÖ- und FPÖ-Anhänger haben – entgegen weitverbreiteter Annahmen – wenig für die jeweils andere Partei übrig.

Bei ÖVP und Neos liegt der Wert zwar im positiven Bereich, jedoch ist er mit 0,15 nicht allzu hoch. Sympathie für die Neos korreliert hingegen viel stärker mit Sympathie für die Grünen (0,43). Darin liegt auch schon das größte Problem für die pinke Partei: Viele ihrer Wähler würden es nicht allzu schwer finden, zu den Grünen zu wechseln, sollten sie eine Zusammenarbeit mit der ÖVP nicht goutieren.

Zudem haben Neos- und ÖVP-Wähler recht unterschiedliche Einstellungen zur FPÖ. Während FPÖ-Sympathie mit ÖVP-Sympathie leicht positiv korreliert (0,12), nimmt sie mit steigender Neos-Sympathie leicht ab (minus 0,13). Kein Wunder also, dass die Neos die kolportierte Festlegung von Sebastian Kurz auf eine Koalition mit der FPÖ nicht schlucken wollten. (Laurenz Ennser-Jedenastik, 12.10.2016)

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