Nach Tagen relativer Ruhe wieder Luftangriffe auf Aleppo

11. Oktober 2016, 15:28
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Rebellen sprechen von massiven Bombardements – Syrien hatte Zivilisten und Rebellen Abzug angeboten

Beirut – Nach mehreren Tagen relativer Ruhe hat die russische Luftwaffe syrischen Rebellen zufolge ihre Angriffe auf Ost-Aleppo wieder aufgenommen. "Es gibt neue Bombardierungen", sagte ein Rebellen-Kommandeur der Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag. "Sie sind massiv." Betroffen sei insbesondere der Stadtteil Bustan al-Kasr. Die oppositionsnahe Beobachtungsstelle für Menschenrechte sprach ebenfalls von neuen Luftangriffen. Dabei seien mindestens acht Menschen umgekommen.

Russland und Syrien hatten in der vergangene Woche die Luftangriffe vor allem im Norden reduziert. Damit sollte nach syrischen Angaben den Zivilisten die Möglichkeit gegeben werden, das umkämpfte Gebiet zu verlassen. Die Regierung in Damaskus bot auch den Rebellen an, mit ihren Familien den Ostteil Aleppos zu verlassen, wenn sie ihre Waffen niederlegten. Die Rebellen lehnten dies als Täuschungsmanöver ab.

Die syrische Armee versucht mit russischer Unterstützung, den Ostteil Aleppos zu erobern. Dies wäre für Präsident Baschar al-Assad ein wichtiger Sieg und könnte seine Gegner entscheidend schwächen. Die Rebellen und ihre Unterstützer, darunter Saudi-Arabien und auch westliche Staaten, wollen den Fall Ost-Aleppos daher unbedingt verhindern. Zwischen diesen Fronten werden die Zivilisten zerrieben, die unter den massiven Zerstörungen und der katastrophalen Versorgungslage leiden.

Die Kritik des Westens richtet sich vor allem gegen Russland wegen der heftigen Bombardements in Aleppo. Die russischen und syrischen Kampfflugzeuge sollen dabei auch bunkerbrechende Bomben und Brandbomben eingesetzt haben. Wegen der hohen Verluste unter des Zivilbevölkerung wurden Forderungen nach zusätzlichen Sanktionen gegen Russland laut.

Wegen des Streits über das Vorgehen in Aleppo sagte der russische Präsident Wladimir Putin am Dienstag seinen geplanten Paris-Besuch ab. Auch werde es zunächst kein gesondertes Treffen mit Präsident François Hollande und Bundeskanzlerin Angela Merkel zur Entwicklung in Syrien geben, sagte Putins Sprecher. (Reuters, 11.10.2015)

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