"Paradies oder Nach Eden": Wurzeln schlagen im Paradies

11. Oktober 2016, 15:53
posten

Aus einem Hieronymus Bosch Gemälde entspringen die Figuren auf die Opernbühne. Ein Paar, das Adam und Eva sein könnte, versucht im paradiesischen Setting einen Neuanfang

Zwei Zeitgenossinnen nehmen sich der Schöpfungs- und der Kunstgeschichte an: Auf Einladung des Vorarlberger Landestheaters und inspiriert von Hieronymus Boschs Garten der Lüste spendieren die slowenische Komponistin Nana Forte und die Bachmannpreisträgerin Maja Haderlap (Libretto) Herrn A. und Frau E. einen Neustart. Die musikalische Uraufführung Paradies oder Nach Eden ist ein neuerlicher Anlauf des biblischen Schöpfungsmythos.

Regisseur Igor Pison dramatisierte bereits Haderlaps Romandebüt Engel des Vergessens. In Paradies hat sein Alter Ego, der Spielleiter (Erwin Belakowitsch), trotz weniger Sprech- und noch weniger Gesangspassagen Präsenz. Im Habitus eines abgehalfterten Dandys stellt er den Gott aus Boschs Gemälde dar.

Schlangen und Mönchsfische

Majestätisch und unironisch singt Lona Culmer-Schellbach in der Rolle der Schlange den animalischen Widerpart. Etliche Schlangen-Zischer verstärkt der Bregenzer Festspielchor unter Benjamin Lack, der auch die neun Instrumentalisten durch Fortes klangmalerisches, oft rhythmisiertes Musiktheatererstwerk dirigiert.

Sidekick des Spielleiters ist der Mönchsfisch (Jeff Martin), der schon bei Bosch lesend dargestellt wird. Auf der Opernbühne ist er mit Klemmbrett und Spickzettel ausgestattet.

Gesanglich prägend sind Sabina Martin als Frau und Christian Sist als Mann: Gemeinsames und gegenläufiges Ringen gestalten sie intensiv, mit Stimmkraft und auch Textverständlichkeit. Nicht manieriert stellen sie Unbehagen, Groll und Verlegenheit dar, aufflackernden Übermut und dessen Versiegen.

Im Paradies lassen sich keine Wurzeln schlagen: Das veranschaulicht Petra Veber (Bühne), indem sie Palmen und Gebüsch in hübschen Übertöpfen nur ein Stück weit herabschweben und hängen lässt. (Petra Nachbaur, 11.10.2016)

Bis 15. 11.

Link

Landestheater Vorarlberg

  • Der Spielleiter (links) und die Schlange (rechts) wollen das Paar gleichermaßen verführen.
    foto: anja köhler

    Der Spielleiter (links) und die Schlange (rechts) wollen das Paar gleichermaßen verführen.

Share if you care.