Erste Bohrproben von "Ground Zero" des Dino-Killers ausgewertet

11. Oktober 2016, 19:07
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Resultate zeigen, dass das Leben offenbar relativ bald wieder in den Bereich des Einschlags zurückgekehrt war

Wien/Bremen – Der "Dino-Killer" zählt fraglos zu den prominentesten Meteoriteneinschlägen der bekannten Erdgeschichte. Als der Brocken von etwa 10 Kilometer Durchmesser vor rund 66 Millionen Jahren in flachem Winkel auf ein seichtes tropisches Meer traf, explodierte er mit einer Sprengkraft von mindestens 200 Millionen Hiroshima-Bomben. In dem nachfolgenden Weltenbrand gingen bis zu 75 Prozent aller Tier- und Pflanzenarten zugrunde, darunter eben auch die Dinosaurier. Heute ist vom drittgrößten Impaktkrater der Erde im Golf von Mexiko trotzdem nur mehr wenig zu bemerken.

Das liegt unter anderem daran, dass der Chicxulub-Krater zum Großteil unter der Meeresoberfläche liegt. Einerseits zählt er durch die mächtigen Sedimentgesteine, die ihn vor Erosion bewahrten, zu den besterhaltenen großen Einschlagkratern der Erde. Andererseits macht ihn das für Wissenschafter nur schwer zugänglich. Trotzdem ist es einem internationalen Forscherteam in diesem Jahr gelungen, sich zum "Ground Zero" des Dinosauriersterbens vorzubohren. Die Wissenschafter haben im April und Mai mit österreichischer Beteiligung mehr als 830 Meter lange Bohrkerne aus dem Unterwasser-Krater entnommen. Erste Analysen zeigen, dass sich dort überraschend bald nach Einschlag wieder mikrobielles Leben regte.

Beim rund 200 Kilometer großen Chicxulub-Krater handelt es sich um den einzig bekannten Impaktkrater, der mit einem Massenaussterben direkt in Verbindung gebracht wird. Der größte Teil der Struktur liegt im Golf von Mexiko, ein kleinerer Teil des Kraterrandes ist am nordwestlichen Ende der mexikanischen Halbinsel Yucatan zu erkennen.

Über 1.300 Meter tiefes Bohrloch

Im April und Mai ging ein 31 Wissenschafter aus zwölf Ländern umfassendes Team daran, Gesteinsproben zu entnehmen. Aus Österreich sind der Impaktforscher Christian Köberl, Generaldirektor des Naturhistorischen Museums (NHM) Wien und Professor an der Uni Wien, sowie Ludovic Ferriere, Meteoritenforscher am NHM, beteiligt. Gebohrt wurde in 17 Meter tiefem Wasser. Um zu den Gesteinen des "Peak Rings" zu stoßen, mussten zuerst rund 500 Meter Kalkstein durchdrungen werden. Zwischen 506 und 1.335 Metern Tiefe wurden unter dem heutigen Meeresboden Gesteinsproben entnommen, wie es am Dienstag seitens des Zentrums für Marine Umweltwissenschaften (MARUM) der Uni Bremen hieß.

Laut Köberl sind die Bohrungen "ausgesprochen erfolgreich verlaufen. Durch die geschickte Wahl der Bohrlokalität ist es gelungen, zu Gesteinen vorzudringen, die sich normalerweise in fast unerreichbarer Tiefe befinden. Die Untersuchungen erlauben uns zum ersten Mal Aufschlüsse über die dynamischen Prozesse bei der Entstehung derart großer Einschlagskrater", erklärte Köberl. Chicxulub ist nämlich der einzige bekannte Krater auf der Erde mit einem intakten "Peak Ring". Dabei handelt es sich um spezielle Strukturen aus schroffen Bergen im Inneren des Hauptkraterrandes. Bisher ist nicht bekannt, wie genau solche Ringe entstanden sind.

Außerdem untersuchen die Wissenschafter im Gestein, ob dort mikrobiologisches Leben existierte und wie lange die Regeneration der Ozeane nach dem Einschlag brauchte. In den Bohrkernen fanden sich unter einer etwa 120 Meter dicken Schicht aus Kalksteinablagerungen, die zwischen 66 Millionen und rund 50 Millionen Jahren entstanden sind, weitere 120 Meter aus zerbrochenen und geschmolzenen Gesteinen, die beim Einschlag entstanden und den "Peak Ring" bilden.

Rasche Wiederbesiedelung

Es gebe Hinweise, dass in diesem Bereich heißes und salzreiches Wasser durch die neu entstandenen Gesteine zirkulierte. In diesem neuen Umfeld konnte sich trotz vieler giftiger chemischer Substanzen, die sich nach dem Impakt im Krater befanden, auch recht rasch mikrobielles Leben etablieren, hieß es. Die Kleinstlebewesen sind offenbar mit den besonderen Lebensumständen und der porösen Beschaffenheit des zerbrochenen und geschmolzenen Gesteins zurecht gekommen. Das ergaben erste Untersuchungen in Bremen.

Als einziger österreichischer Wissenschafter war Ferriere an den Analysen am MARUM beteiligt. Basierend auf diesen vorläufigen Untersuchungen hat der aus Frankreich stammende Impaktexperte ungefähr 350 Proben mit nach Wien gebracht, die nun am NHM und der Uni Wien unter die Lupe genommen werden.

Koordiniert wird das knapp 15 Millionen Dollar (13 Mio. Euro) teure, zehn Jahre lang vorbereitete Projekt vom European Consortium for Ocean Research Drilling (ECORD) und dem International Ocean Discovery Program (IODP) in Zusammenarbeit und mit Kofinanzierung des International Continental Scientific Drilling Program (ICDP). (red, APA, 11.10.2016)

  • Als vor 66 Millionen Jahren ein mindestens 10 Kilometer großer Brocken aus dem All die Erde traf, war nichts mehr wie vorher. Die Überreste des gewaltigen Einschlags wurden nun von internationalen Wissenschaftern angebohrt.
    illustr.: d. jalufka & nhm wien

    Als vor 66 Millionen Jahren ein mindestens 10 Kilometer großer Brocken aus dem All die Erde traf, war nichts mehr wie vorher. Die Überreste des gewaltigen Einschlags wurden nun von internationalen Wissenschaftern angebohrt.

  • Chicxulub ist nämlich der einzige bekannte Krater auf der Erde mit einem intakten "Peak Ring". Auf dieser Schwereanomalie-Karte ist er als innerer Kreis erkennbar.
    foto: usgs

    Chicxulub ist nämlich der einzige bekannte Krater auf der Erde mit einem intakten "Peak Ring". Auf dieser Schwereanomalie-Karte ist er als innerer Kreis erkennbar.

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