Hotelrestaurants an Stiefmutterdasein häufig selbst schuld

11. Oktober 2016, 14:59
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Ein eigener Eingang in das Lokal ist mitunter wichtiger als Sterne und Hauben, mit denen sich manche Hotelrestaurants schmücken, zeigt eine Umfrage

Wien – Essen gehen ist in, auch in Österreich. Während in anderen Ländern aber Hotelrestaurants zumindest die gleiche Gunst genießen wie herkömmliche Genusstempel, ist das in Österreich anders. Während 54 Prozent der Österreicher und Österreicherinnen mindestens einmal pro Monat in einem Restaurant essen, gehen nur 14 Prozent in ein Hotelrestaurant. Das hat eine Umfrage des Markt- und Meinungsforschungsinstituts Integral ergeben, die am Dienstag in Wien präsentiert wurde. Das hat Gründe.

So geben 43 Prozent der Befragten an, sie hätten "keine Lust, durch das Hotel zu gehen", um zum Restaurant zu gelangen. 69 Prozent nehmen ein Restaurant, das sich in einem Hotel befindet, als Teil des Hotelangebots wahr und nicht als eigenständigen Gastronomiebetrieb. Etwa gleich viele finden aber die Atmosphäre und das Ambiente in Hotelrestaurants zumindest gleich gut wie in einem Restaurant ohne Hotelbetrieb.

Onlineplattformen werden überschätzt

"Für die Frequenzerhöhung ist es essenziell, dass das Restaurant einen eigenen, vom Hotel getrennten Eingang hat. Die potenziellen Gäste drücken sich sonst oft die Nasen an den Fensterscheiben platt, kommen dann aber nicht in das Restaurant", sagt Peter Knoll, Direktor des Palais Hansen Kempinski in Wien. Viele Kempinski-Restaurants, auch das Edvard am Schottenring, verfügen daher über einen eigenen straßenseitigen Zugang.

Eine Fehleinschätzung sei auch, dass Sterne, Hauben und Gabeln merklich zum Erfolg eines Hotelrestaurants beitragen. "Nicht wichtig" finden 73 Prozent der Befragten solche Bewertungen. "Das hat uns als Gourmetmagazin besonders überrascht", sagt "Falstaff"-Herausgeber Wolfgang Rosam. Auch Onlineplattformen wie Tripadvisor werden bei der Restaurantsuche von noch mehr Befragten, nämlich 78 Prozent, als "nicht wichtig" empfunden.

Marke und Person dahinter zählen

Entscheidend für den Erfolg eines Restaurants sei die Marke oder die Person, ist Hoteldirektor Knoll überzeugt. "Bei uns kommen die Gäste wegen unserem Küchenchef oder dem Restaurantleiter ins Edvard", sagt Knoll. Viele Hotelrestaurants seien auf externe Gäste angewiesen. Mit Hausgästen allein, die häufig selbst auf kulinarische Entdeckungsreise in der Stadt gehen, sei so ein Betrieb wirtschaftlich schwer zu führen. (Günther Strobl, 11.10.2016)

  • Ein eigener straßenseitiger Eingang ist mitunter entscheidend, damit sich auch externe Gäste in ein Hotelrestaurant wie jenes im Park Hyatt in Wien wagen.
    foto: apa/fohringer

    Ein eigener straßenseitiger Eingang ist mitunter entscheidend, damit sich auch externe Gäste in ein Hotelrestaurant wie jenes im Park Hyatt in Wien wagen.

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